Liebe Freund*innen und Interessierte,
willkommen zum 14. Newsletter über und gegen den globalen Autoritarismus im Februar 2026. Während Europa seine Zurückweisung von Trumps Eroberungswünschen in Grönland als Erfolg feiert, gewinnt die autoritäre Rechte in Lateinamerika und Europa bei Wahlen an Boden.
In unserem ReGA-Newsletter findet Ihr
→ wie immer einen Blick auf die Außenpolitik der AfD, es geht um den Kurs der Partei bezüglich Trump,
→ unter Europa Rechtsaußen informieren wir darüber, welche Bedeutung das kriminelle Netzwerk von Jeffrey Epstein für die extreme Rechte in Europa hatte und hat, über den Transatlantic Summit des Political Network for Values in Brüssel und anderes,
→ wir berichten mit unserem Projekt Linea B über die extreme Rechte in Lateinamerika, über die mögliche Kandidatur des Bolsonaro-Sohnes Flávio in Brasilien, über die queeren antifaschistischen und antirassistischen Demonstrationen in Argentinien am 7. Februar, über Chile nach der Wahl von José Antonio Kast zum Präsidenten, über die EU-Parlaments-Abstimmung über die Prüfung des EU-Mercosur-Abkommens, über Costa Rica und Kolumbien,
→ abschließend Hinweise auf kommende und vergangene Events – von und gegen Rechts!
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Wochenlang brachte der US-amerikanische Griff nach Grönland die europäische Politik in einen Stresszustand. Seit einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Davos (Schweiz) am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) ist vorerst Ruhe eingekehrt. Über die eigentlichen Vereinbarungen, die als 'framework of a future deal' bezeichnet wurden, ist allerdings nichts bekannt. Einsichten in die Details der Grönland-Krise liefert Gabriella Gricius beim IPG-Journal.
Die AfD-Führung ist über den außenpolitischen Interventionismus der Trump-Regierung nicht erfreut und scheint darüber ihr Verhältnis zur MAGA-Bewegung zu gefährden. Mehr über die multipolare Unordnung bei der AfD in unserer Rubrik zur AfD-Außenpolitik.
Doch trotz aller Differenzen wird es für die AfD wohl auch im Februar und März mit außenpolitischen Auftritten weitergehen. Sofern es keine weiteren Verstimmungen gibt, werden drei AfD-Mitglieder an der Münchener Sicherheitskonferenz (MSC) vom 13. bis 15. Februar teilnehmen. Eingeladen sind laut Presseberichten Rüdiger Lucassen (Verteidigung), Anna Rathert (Außen) und Heinrich Koch (Verteidigung). Kritik an der Einladung äußerten die Grünen und die SPD. MSC-Chef Wolfgang Ischinger hatte die Einladung der AfD, nach zwei Jahren Pause unter Vorgänger Christoph Heusgen, verteidigt. Man reiße damit keine Brandmauern ein. Auf der Bühne werde die AfD nicht auftreten.
Eine Teilnahme der AfD wird auch bei der Alliance of Sovereign Nations Conference 2026 in Washington DC (USA) Anfang März erwartet, zu der die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna einlädt. Luna hatte sich Anfang Dezember mit "Dutzenden AfD-Delegierten" getroffen, darunter mit Markus Frohnmaier, Anna Rathert und Alexander Sell (MEP). Mehr zu der Konferenz in unserer Terminvorschau.
Damit geht die diplomatische Normalisierung und Anerkennung der AfD auch durch die US-Regierung weiter. Ein besonders kurioses Beispiel: im Kontext einer Delegationsreise unter Leitung des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen kam es Ende Januar zu einem deutlichen Affront durch die US-amerikanischen Gastgeber. Das State Department weigerte sich, die mitreisenden Vertreter*innen der SPD und Grünen zu empfangen. Darüber berichtete politico. Daraufhin sagte Delegationsleiter Röttgen das Treffen ab. Der mitgereiste AfD-Vertreter in der Delegation Peter Felser traf sich dennoch mit Vertretern des US-Verteidigungsministeriums im Pentagon, um über die deutsche Verteidigungspolitik zu sprechen.
In unserer Rubrik Linea B über die extreme Rechte in Lateinamerika berichten Gabriela Mitidieri und Robert Grosse von CELS über queere antifaschistische, antirassistische Demonstrationen und Kundgebungen, die am 7. Februar in mehr als zehn argentinischen Städten und Provinzen stattfanden und an Proteste vom Vorjahr anknüpfen.
In Brasilien finden im Oktober Präsidentschaftswahlen statt. Andrea Dip berichtet über den Stand der WahIvorbereitung von Flávio Bolsonaro, des Sohnes "number one" von Ex-Regierungschef Jaír Bolsonaro, der inzwischen wegen versuchten Staatstreichs verurteilt ist.
Der zukünftige chilenische Präsident, José Antonio Kast, stellte sein im März einzusetzendes Kabinett vor, darunter ehemalige Anwälte des Diktators Pinochet und eine evangelikale Abtreibungsgegnerin. Ute Löhning beleuchtet Bezüge zum Pinochetismus und welche internationalen Alllianzen Kast bereits vor seiner Amtseinführung aufbaut.
Das EU-Mercosur Handelsabkommen steht kurz vor den Einführung. Das EU-Parlament überstellte es jedoch zunächst an den Europäischen Gerichtshof, um es auf EU-Rechtskonformität zu überprüfen. Die Entscheidung wurde stark aus geopolitischen Gründen stark kritisiert und hat eine Debatte um die Brandmauer gegen rechts befeuert. Mit Thomas Fritz, Referent für Handels- und Investitionspolitik bei der NGO PowerShift in Berlin, hat Ute Löhning ein Interview zu dieser Entscheidung und dem doppelten Dilemma geführt.
Schließlich möchten wir auf weitere Veröffentlichungen durch Mitarbeiter*innen von ReGA hinweisen:
Der Sammelband "Die politische Rechte in Lateinamerika" (NOMOS Verlag) mit spannenden Texten ist erschienen, darin findet sich auch der Artikel "Das Goldene Zeitalter der Autokratie. Vernetzung der Rechten zwischen Europa, den USA und Lateinamerika" von Andrea Dip, Ulli Jentsch und Ute Löhning. Alle Artikel stehen als open access pdf zur Verfügung.
Einen Artikel über die US-amerikanische Heritage Foundation und deren Aktivitäten in Europa von Ulli Jentsch findet ihr jetzt online auf unserer Website - in Deutsch und in Englisch. Der Artikel war als Gastbeitrag im Antifaschistischen Infoblatt erschienen.