Der Wiener Akademikerball als internationaler Treffpunkt der extremen Rechten

Verfasst von: Lucius Teidelbaum

Festbälle sind in Österreich als Relikt aus den Zeiten der alten k.u.k.-Monarchie bis heute ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Der Akademikerball war bis 2012 noch der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR), jenem Wiener Verband deutschnationaler Studentenverbindungen, die alle mehr oder weniger der extrem rechten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) nahestehen. Spiegel Online nannte ihn einst „eine Tanzveranstaltung für Rechte, Rechtsextreme und Burschenschafter aus ganz Europa“. Als dem WKR die Räume gekündigt wurden, sprang daher wenig überraschend die FPÖ als Veranstalter für das Nachfolge-Format Wiener Akademikerball ein. Inzwischen richtet den Ball ein FPÖ-naher Verein aus, so auch bei der diesjährigen Ausgabe am 20. Februar 2026.   

Sowohl gegen den WKR-Ball als auch gegen den Akademikerball gab und gibt es antifaschistischen Gegenprotest. Kritiker*innen weisen darauf hin, dass sich auf dem Akademikerball elitäre Kultur und extreme rechte Politik die Hand zum Tanz reichen.

AfD-Mitglieder und Burschenschafter

Die den Ball weiterhin maßgeblich tragenden deutschnationalen Studentenverbindungen laden ideologische Gesinnungsgenossen aus der Bundesrepublik ein. So sind es vor allem extreme Rechte aus dem deutschsprachigen Raum, die auf die Hofburg pilgern. Neben Mitgliedern von Burschenschaften des Dachverbands Deutsche Burschenschaft (DB) in der Bundesrepublik sind es Mitglieder der AfD und ihres Vorfelds. Nicht wenige der teilnehmenden männlichen AfD-Mitglieder sind auch Mitglieder einer DB-Burschenschaft. Die DB hängt weiterhin einer großdeutschen Ideologie an, in der Österreich Teil eines gemeinsamen Kulturraums ist.

Am 20. Februar 2026 besuchten den Akademikerball laut Eigenangabe 2.000 Personen. Von der AfD nahmen mindestens 14 Bundestags- und Landtagsabgeordnete: Mary Khan (AfD-MdEP), Rene Aust (AfD-MdEP), Gerold Otten (AfD-MdB), Matthias Helferich (MdB, für die AfD gewählt), Tobias Teich (AfD-MdB), Christoph Birghan (AfD-MdB), Malte Kaufmann (AfD-MdB), Dennis Hohloch (AfD-MdL Brandenburg), Enxhi Seli-Zacharias (AfD-MdL NRW), Katrin Ebner-Steiner (AfD-MdL Bayern), Daniel Halemba (AfD-MdL Bayern), Franz Schmid (AfD-MdL Bayern), Markus Walbrunn (AfD-MdL Bayern) und Anna Nguyen (AfD-MdL Hessen). Helferich ist ehemaliges Mitglied der Burschenschaft Frankonia in Bonn, Birghan Mitglied der Berliner Burschenschaft Gothia, Walbrunn gehört der Burschenschaft Stauffia München an, Halemba ist Mitglied der Burschenschaft Teutonia Prag zu Würzburg und Schmid der Burschenschaft Danubia zu München, alle drei sind Mitgliedsbünde der DB.

Von der neugegründeten AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) nahmen drei Mitglieder des Bundesvorstands teil: Helmut Strauf, Cedric Krippner und Wendelin Nepomuk Fessl. Alle drei sind ebenfalls Burschenschafter.

Die Festrede hielt der Deutsche Max Otte. Otte ist ein rechter Krisentheoretiker und als Mitglied einer Turnerschaft in Köln ebenfalls in einer Studentenverbindung. Von 2018 bis Januar 2021 war er Vorsitzender des Kuratoriums der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Rechte Vorfeldorganisationen aus Europa und den USA

Aus ihrer Teilnahme machten die wenigsten AfD-Mitglieder einen Hehl. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen eine Teilnahme am FPÖ-Akademikerball in der Partei Probleme bereiten konnten.

Auch das extrem rechte Vorfeld der AfD war in der Hofburg vertreten, etwa Vadim Derksen, Online-Redakteur der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit, oder die extrem rechte Influencerin Michelle Gollan.

Mehrere Mitglieder der neofaschistischen Identitären Bewegung (IB) nahmen ebenfalls teil. Aus Österreich waren das Martin Sellner, Gernot Schmitt und Yannick Wagemann. Mit Sellner posierte Matthias Helferich und zeigte so, was er von dem Kontaktverbot des AfD-Bundesvorstands mit dem Identitären hält. Aus Augsburg kam unter anderem Maximilian Märkl, aus der Schweiz der verurteilte Manuel Corchia von der Jungen Tat. Er war für Diskriminierung und den illegalen Besitz eines Sturmgewehrs der Marke AK-47 verurteilt worden.

Aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland kamen Mitglieder der Nationalistische Studentenvereniging (NSV) aus Belgien, die eine flämisch-nationalistische Studentenverbindung und eng mit der DB verbrüdert ist. Im Gegensatz zur DB ist die NSV aber gemischtgeschlechtlich ausgerichtet. Aus den USA war Jack Andersen vertreten, er ist Mitarbeiter des US-Gesundheitsministers und Impfgegners Robert Kennedy Junior. Aus den Niederlanden besuchte die extrem rechte Influencerin Eva Vlaardingerbroek den Ball. Sie war bereits in Wien, weil sie laut Ankündigung am 19. Februar 2026 an der Konferenz der Patriots for Europe-EU-Fraktion zum Thema „When Criticism Becomes Dangerous“ teilgenommen hatte.

 Auftritt des rechten US-Bloggers Curtis Yarvin im Vorfeld des Balls

 Andere extrem rechte Ball-Besucher*innen wie der bayrische AfD-Landtagsabgeordnete Franz Schmid hatten am 19. Februar einen Auftritt von Curtis Yarvin in Wien besucht. Der US-amerikanische Blogger und Softwareentwickler Yarvin gilt als Vordenker einer elitären und antidemokratischen Neoreaktion, auf die sich zum Beispiel der Milliardär Peter Thiel und US-Vizepräsident J. D. Vance beziehen. Schmid schrieb dazu auf X: „Am Samstag hatte ich die Gelegenheit, Curtis Yarvin bei einem Vortrag zu erleben und mit ihm ins Gespräch zu kommen.“ Organisiert wurde die Veranstaltung vom Magazin The European Conservative, welches dem Orbán-Netzwerk zuzurechnen ist. Einen Tag nach dem Ball, am 21. Februar, trat Curtis Yarvin in Wien auch noch für den Identitären-Lesezirkel Aktion 451 auf. Wenige Tage später trat er auf der World in Pieces-Konferenz auf Schloss Elmau auf.

Obwohl es kein offizielles politisches Programm gibt, ist der Akademikerball ein Ort für rechte Vernetzung und Vergemeinschaftung. Über die Teilnahme bestärkt man sich in den eigenen Bildern über Geschlechterrollen und Elitedenken. Denn schließlich ist der Ball als nationalistische Parallelkultur auch das Reenactment eines Balls wie vor hundert Jahren. 


Redaktion: Susanne Brust

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