Publicado
10 December 2025
Blick aus Berlin auf Europas Rechtsaußen
Escrito por: Ulli Jentsch
Noch nicht genug gelesen zu den europäischen Rechtsparteien? Offline und analog gibt es alle paar Jahre neue Publikationen aus den parteinahen Stiftungen zum Thema, dieses Jahr bereits zwei! Grund genug, darauf einen kurzen Blick zu werfen.
Eine aktuelle Neuerscheinung (September 2025) im Dietz Verlag stammt von Herausgeber Ernst Hillebrand: Rechtspopulismus in Europa. Der Einfluss rechter Parteien von Lissabon bis Bukarest, und ist eine überarbeitete Neuauflage des Bandes von 2015. Hillebrand ist seit vielen Jahren für die Friedrich Ebert Stiftung im Bereich der internationalen Analyse tätig. Der Band versammelt 16 sehr kurze Parteienporträts von der AfD bis zur AUR und der Chega, dazu weitere Artikel unter der Überschrift "Bewertungen und Handlungsoptionen". Die Artikel lieferten bekannte und berufene Autor*innen wie Jean-Yves Camus, Steven Forti oder Barbara Tóth und schildern aus einer linken, sozialdemokratischen Sicht die Entwicklung der Rechtsparteien. Der Band enthält sich einer theoretischen Entwicklung der verwendeten Begriffe, allen voran des problematischen Begriffes des Rechtspopulismus, was bedauerlich ist. Jenseits der brauchbaren Parteienporträts kann man sich hier vor allem in die Brüche und Verunsicherungen der europäischen Sozialdemokratie einlesen.
Wer mehr Definitionsarbeit und ideologiekritische Herleitung im Bezug auf die europäischen Rechtsparteien möchte, sollte zum ebenfalls 2025 erschienenen Band von Richard Stöss: Der rechte Rand Europas. Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 1979 bis 2024, greifen. In der beim Budrich Verlag erschienenen Monographie leitet Stöss in der von ihm gewohnten Art die Entstehung und Entwicklung der Rechtsaußenparteien in Europa her. Er geht in einem Exkurs auf den italienischen Rechtsextremismus ein, liefert statistische Daten durch alle Legislaturperioden und beleuchtet die Entwicklung unter dem Blick auf die "Erosion des 'cordon sanitaire'", was auch hier ja ein Dauerthema ist.
Die Monographie ist eine gelungene und umfassende politikwissenschaftliche Behandlung des Themas. Sie ist für das Verständnis der nationalen Unterschiede der Rechtsparteien und eine rationale Sicht auf die Trends im Europäischen Parlament eine wichtige Vertiefung.
Zum Schluß noch der Hinweis auf zwei Studien, eher policy papers, aus dem christdemokratischen, konservativen Spektrum. Die Konrad Adenauer Stiftung hat vor kurzem eine 50-seitige Broschüre mit dem Titel "Zwischen Abgrenzung, Einbindung und Tolerierung" publiziert, die "den Umgang unterschiedlicher EVP-Parteien mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften in zehn europäischen Ländern" analysiert. Die Lektüre liefert allen, die händeringend der aktuelle Stand dieses Verhältnisses und die verbliebene Resilienz der EVP-Parteien nach Rechtsaußen interessiert, einige Einsichten. Die Broschüre ist online erhältlich.
Aus dem christdemokratischen Martens Centre for European Studies kommt eine ganz ähnlich gelagerte aber sehr viel umfangreichere Studie mit dem Titel Christian Democracy, Conservatism and the Challenge of the Extremes. Siehe hierzu den Blog des Martens Centre hier.
Redacción: Ulli Jentsch