Veröffentlichung
10. January 2025
EKR in Rom und Dubrovnik
Verfasst von: Ulli Jentsch
Das Atreju-Fest in Rom ist das politische und kulturelle Highlight im Kalender der italienischen Rechten. Es hat eher den Charakter eines politischen Festivals als einer Konferenz, viele Familien und Parteimitglieder aus anderen Teilen Italiens nehmen daran teil. Ein ganzer Teil der Stadt wird dafür abgesperrt und zur Festzone mit Budenstadt und Eisbahn umgestaltet. Am 14. Dezember demonstrierten etwa 100.000 Menschen gegen die italienische Rechtsregierung, vorwiegend mobilisiert durch außerparlamentarische Bewegungen.
Der Name des Festivals ist tatsächlich von der "Unendlichen Geschichte" von Michael Ende inspiriert, wie die EKR selber schreibt: eine Anspielung auf den jungen Krieger, der "an den Mut, den Kampf und das Engagement für die eigenen Ideale erinnert, Werte, die in der Jugend der italienischen Rechten seit jeher mitschwingen, um ihre Generationen vor der Gefahr der Gleichgültigkeit zu schützen, die in diesem Fall vom Nichts ausgeht. Die unendliche Geschichte selbst ist symbolisch und steht für die Geschichte der Tradition, die die Rechte gegen den linken Progressivismus, der die Werte und Symbole der Vergangenheit zerstören will, verteidigen will." Michael Ende hatte sich - ebenso wie seine Erben - vergeblich gegen die Vereinnahmung von Rechts verwahrt.
Prominente Gäste, neue Führung
Politisch werden jedes Jahr internationale Prominente eingeladen, letztes Jahr unter anderem Elon Musk, diesmal Javier Milei und die britische Innenministerin Yvette Cooper (Labour Party). Während seines Besuches erhielt der argentinische Rechts-Libertäre einen Preis vom italienischen Milton Friedman Institute. Höhepunkt des Festes ist traditionell die Rede Melonis am Sonntag, wo sie mit dem politischen Gegner scharf abrechnet. Hier verkündete sie auch ihren Rückzug vom EKR-Vorsitz und stellte Mateusz Morawiecki (polnischer Ministerpräsident der PiS von 2017 bis 2023) als ihren Wunschkandidaten vor.
Morawiecki tauchte bei vielen der letzten Events der EKR auf, in Atreju ebenso wie auch im Oktober im kroatischen Dubrovnik bei dem zweiten European Congress on Family der EKR. Morawiecki betonte in einem Interview mit dem italienischen Corriere della Serra seine Kontinuität zur Politik Melonis. Die EKR sehe er im Zentrum mit einer hervorragenden Position, man könne sowohl mit der EVP (der christdemokratischen Fraktion) als auch mit den Patrioten (Orbáns) und den Souveränisten (AfD) reden. Umstritten im Verhältnis zu den Patrioten für Europa sei "das Verhältnis zu Russland im Krieg in der Ukraine": "Für uns ist es der Rubikon, den wir nicht überschreiten können."
Nächste Generation und Bündnis Deutschland
Prominente deutsche Gäste sucht man vergeblich bei den EKR-Veranstaltungen. In Dubrovnik war als einziger Redner Tilman Rüsch aufgetreten. Der Unternehmer Rüsch ist Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung für Familienwerte, die ein christlich-konservatives Familienbild fördert. Öfter aufgetaucht sind die jungen Mitglieder der Nächsten Generation. Diese kleine Gruppierung, die sich in ihrer Satzung als bundesweite Wählervereinigung bezeichnet, wurde im Verlauf des Jahres 2024 gebildet. Kleine Delegationen der NG, zum Teil mit dem Bundesvorsitzenden Marvin Schmiedecke und dem Generalsekretär Felix Kunde, besuchten die EKR-Veranstaltungen in Rom und Dubrovnik.
Ebenfalls vor Ort: das Mitglied im Bundesvorstand des Bündnis Deutschland, Arniko Meinhold. Diese Kleinstpartei am rechten Rand hatte bis zur letzten Wahl den ehemaligen AfDler Lars Patrick Berg als Mitglied im Europäischen Parlament. Die sogenannte Nächste Generation wirkt auf den ersten Blick wie die Parteijugend des Bündnis Deutschland (BD), etliche der NG-Mitglieder sind auch dort Mitglied oder arbeiten bei der BD. Tatsächlich hat das BD jedoch erst im November 2024 die Jugendorganisation "Junges Bündnis" etabliert.
Redaktion: Ulli Jentsch