Veröffentlichung
8. March 2025
Die AfD nach der Wahl
Verfasst von: Ulli Jentsch
Die AfD hat bei der Bundestagswahl einen auch nach internationaler Einschätzung deutlichen Erfolg errungen, der den Kurs und die Position der Ko-Vorsitzenden Alice Weidel weiter festigt. Von der neuen, größeren Bundestagsfraktion mit 152 Abgeordneten (zuletzt 77) wurde die Führung von Tino Chrupalla und Weidel bei nur 7 Nein-Stimmen bestätigt.
Kurz vor den Wahlen hatte sich Weidel noch überraschend mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán getroffen, was auf der ungarischen Seite gemischte Reaktionen auslöste. Dabei war auch der Schweizer Journalist Roger Köppel. In seiner Rede vor der anschließenden Pressekonferenz äußerte sich Orbán deutlich positiv über die Positionen von Weidel und der AfD, über die er noch kurz zuvor in der NZZ sagte: "Die AfD ist eher eine Bewegung als eine Partei. Da können verrückte Personen und Ideen auftauchen." Weidel nutzte den Empfang als Wahlkampfbühne.
Weitere Aussagen über die Politk der AfD hatte Weidel in einem exklusiven Interview in dem Magazin The American Conservative Anfang Januar 2025 gemacht.
Nachdem Alice Weidel in den Wochen vor der Bundestagswahl die Außendarstellung der AfD erfolgreich zur Chefinnensache gemacht hatte (zu dem Wahlkampf mit Elon Musk's Hilfe siehe hier), darf sich der gescheiterte Star der AfD-Europapolitik, Maximilian Krah, neu orientieren. In dem Wahlkreis Chemnitzer Umland erzielte Krah 44,2 % der Erststimmen und gewann das Bundestags-Direktmandat für die AfD. Sein Europamandat gibt Krah ab, Nachrücker für ihn wird Volker Schnurrbusch aus Schleswig-Holstein, der wiederum sein Bundestagsmandat weiterreicht. Nachdem der "SS-Verharmloser" Krah aufgrund seiner Skandale in die Brüsseler Fraktion gar nicht erst aufgenommen worden war, verlief seine Aufnahme in die Bundestagsfraktion völlig geräuschlos, wie der Spiegel berichtete. Krah reagierte ungewohnt zurückhaltend.
Der neue EP-Abgeordnete Volker Schnurrbusch bringt Erfahrung als parlamentarischer Geschäftsführer und bildungspolitischer Sprecher mit und will, so seine Aussage nach der Nominierung auf dem Europaparteitag 2023, "gerne mal in die Höhle des Löwen und da Aufräumen helfen". In seiner Nominierungsrede hatte Schnurrbusch Brüssel als "schwarzes Loch" bezeichnet. Den Stadtteil Molenbeek nannte er eine "Islamistenhochburg" und einen Schandfleck "für Brüssel, für Belgien und für die EU". (Rede auf der Europawahlversammlung, Videomitschnitt auf Youtube vom 04.08.2023, Kanal: AfD TV, zitiert nach afd-verbot.de)