Veröffentlichung
17. June 2026
Gewalt im Bajo Aguán und „Hondurasgate“
Verfasst von: Susanne Brust
Im honduranischen Aguán-Tal, in dem seit Jahrzehnten ein Konflikt zwischen der bäuerlichen Bevölkerung und drei landwirtschaftlichen Unternehmen brodelt, sind am 20. Mai 2026 mindestens 20 Menschen erschossen worden. Das Massaker, unter dessen Opfern auch Kinder sind, fand in einer Kirche der örtlichen Gemeinde statt, laut Zeugenaussagen trugen einige der Täter Polizeiuniformen.
Auf die Forderungen honduranischer und internationaler Menschenrechtsorganisationen nach einer unabhängigen Untersuchung und Schutzmaßnahmen für die bäuerliche Bevölkerung reagierte die honduranische Regierung unter dem rechtskonservativen Unternehmer und Präsidenten Nasry Asfura nicht. Vielmehr machten Abgeordnete seiner Nationalen Partei die Bauern selbst für die Gewalttat verantwortlich und drohten, Bauernorganisationen als terroristisch einzustufen.
Daniela Dreißig ordnet das Massaker im nd in einen breiten Kontext ein. Zu diesem gehören auch die unter dem Namen Hondurasgate veröffentlichten angeblichen Absprachen zwischen Akteuren aus Honduras, den USA, Israel, Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern in den ersten Monaten dieses Jahres. Die vom spanischen Onlineportal Canal Red veröffentlichen Aufnahmen belasten vor allem Asfura und den honduranischen Ex-Präsidenten Juan Orlando Hernández, der wegen Drogenhandels in den USA zu 45 Jahren Haft verurteilt, jedoch kürzlich von Trump begnadigt wurde.
Ob die Aufnahmen echt sind, konnte bisher nicht endgültig bestätigt werden. Sind sie es tatsächlich, belegen sie Absprachen, Hernández wieder in die Führungsriege des honduranischen Staates zu bringen, einen Stützpunkt des US-Militärs in Honduras einzurichten und die privaten Wirtschaftszonen ZEDE auszweiten. Doch auch über Honduras hinaus könnte Hondurasgate Vernetzungen belegen, um im Interesse der USA und mit Hilfe von Korruption, Desinformation und Gewalt progressive Regierungen in Lateinamerika zu schwächen und rechte Politiker*innen zu stärken.