Veröffentlichung
10. February 2026
Multipolare Unordnung in der AfD
Verfasst von: Ulli Jentsch
Nachdem die AfD Anfang Dezember 2025 die USA mit einer 20-köpfigen Delegation besucht hat und damit für Schlagzeilen gesorgt hatte, ist in die Partei wieder der Alltag eingezogen. Der Besuch bei der Gala des New York Young Republican Club (NYYRC) hat deutlich gezeigt, dass es eine starke Annäherung an die Trump-Politik innerhalb der Partei gibt, der kaum widersprochen wird. Dass sowohl der Spitzenkandidat der AfD, Markus Frohnmaier, bei der nächsten Landtagswahl (am 8. März in Baden-Württemberg) sowie Mitglieder der Landtagsfraktion aus Sachsen-Anhalt eingeladen wurden, verdeutlicht die Absicht der MAGA-Bewegung, die AfD auf dem Weg an die Macht in Deutschland nach Kräften zu unterstützen.
Doch bereits Mitte Januar 2026 kritisierte Weidel den US-Präsidenten Trump für dessen Politik gegenüber Grönland und Venezuela. Trump habe ein "elementares Wahlversprechen" gebrochen, nicht gegen andere Staaten vorzugehen. Nachdem ihr Parteifreund Frohnmaier gerade erst den Allen W. Dulles-Preis entgegen genommen hatte, benannt nach einem herausragenden Vertreter des US-amerikanischen Interventionismus, nun also eine Distanzierung von solch imperialer Politik? Ko-Chef Chrupalla, der sich über die Schwierigkeiten der NATO-Staaten, mit diesem 'Bündnisfall' umzugehen, noch freute, sprach von "Wild-West-Methoden", die abzulehnen seien. Trump-Freunde wie Maximilian Krah widersprachen umgehend.
Dass die neue US-Regierung eine interventionistische Außenpolitik betreibt, dürfte auch für die AfD nicht wirklich überraschend sein. Die Frage, wie offensiv der Schulterschluss mit dem schwankenden, aber immer aggressiven Verbündeten jenseits des Atlantik ausfällt, hängt bei der AfD-Führung mehr von wahltaktischen Erwägungen und dem machtpolitischen Opportunismus ab als von allem anderen. Trump und seine MAGA-Bewegung halten ihre schützenden Hände über die AfD und sprechen sich laut gegen ein mögliches Verbot der Partei aus. Gleichzeitig kann man mit einem US-Präsidenten, der sein Militär überall hinschickt, keine Wahl in Deutschland gewinnen. Man könnte also sagen: Die AfD braucht seine Macht, aber nicht seine Methoden. Es wird auch in Zukunft Stimmen in der AfD geben, die sich an unterschiedlichen internationalen Machtpolen orientieren. Zu glauben, dies führe zu einer Spaltung in der AfD, wie es manche Medien aufziehen, ist Wunschdenken.
Redaktion: Ulli Jentsch