Veröffentlichung
9. September 2026
'Wie Trump-Netzwerke die AfD an die Macht bringen wollen'
Verfasst von: Ulli Jentsch
Noch am Wahlabend äußerte sich AfD-Co-Chef Tino Chrupalla mit den Worten, „die Förderung für Vereine oder Nichtregierungsorganisationen (NGOs), 'die nicht wertschöpfend in diesem Land arbeiten, die indoktrinierte Politik hier betreiben'", solle gestrichen werden. Damit setzt er die Drohungen gegen die zivilgesellschaftlichen Organisationen fort, denen die AfD in Sachsen-Anhalt im Falle einer Regierungsübernahme erstmals Taten folgen lassen könnte.
Etwas anders sieht man es bei der AfD und der Globalen Rechten, wenn es um Geld aus den Budgets von Viktor Orbán - in der Vergangenheit - oder von der Trump-Regierung geht. „Um in Europas politische Landschaft einzugreifen, setzt die US-Regierung auf bestehende Netzwerke und politische Vorfeldorganisationen, zu denen insbesondere Thinktanks gehören. Inzwischen wird dafür ganz konkret Geld bereitgestellt.“ Das berichtete vor kurzem Kathrin Anhold bei lobbycontrol in einem ausführlichen Artikel zu den US-amerikanischen Plänen, gezielt Gelder in die extrem rechten Netzwerke in Europa zu pumpen. Anfang Juli hatte das US State Department offiziell Förderungen von bis zu 3 Millionen US-Dollar für "European civil society and non-governmental organisations as well as educational institutions and for-profit groups" (Europäische zivilgesellschaftliche und Nicht-Regierungs-Organisationen (sic!) sowie Bildungseinrichtungen und gewinnorientierte Gruppen) ausgeschrieben.
Das Geld solle dazu dienen, „Herausforderungen in den Bereichen nationale Souveränität, Migration, Zensur und Rechtsstreitigkeiten im Einklang mit unserer gemeinsamen politischen Philosophie, unserem Rechtssystem und unserem gemeinsamen westlichen zivilisatorischen Erbe anzugehen“ ("address national sovereignty, migration, censorship and lawfare challenges in line with shared political philosophy, law and our common western civilisational heritage"), so der Text der Ausschreibung. Laut einem Bericht des Handelsblatt soll sich die AfD- und MAGA-nahe Influencerin Naomi Seibt um eine Förderung beworben haben. Auch die Hayek-Gesellschaft habe Interesse bekundet, die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung habe auf eine Handelsblatt-Anfrage nicht geantwortet.
Im Bericht bei lobbycontrol ist weiterhin nachzulesen, wie viel Gelder bereits in der Vergangenheit in diese Netzwerke geflossen sind. Die französische NGO Bloom hatte in einem Report im Mai 2026 diese Geldströme analysiert: „Für den Zeitraum von 2019 bis 2024 kam der Report auf eine Summe von mindestens 46 Millionen US-Dollar für Aktivitäten in Europa, etwa Programmarbeit, Förderung, juristische Arbeit oder Anwaltskosten.“ Der Report (Englisch) ist auf der Website von Bloom einsehbar.