Veröffentlichung
8. November 2025
Wahlen in Chile
Verfasst von: Ute Löhning
Gewählt wird auch in Chile. Am 16. November finden Präsidentschafts- und Kongresswahlen statt. Zwar könnte die Kandidatin der Kommunistischen Partei (PC), Jeannette Jara, die für eine Wahlallianz der Linken antritt, im ersten Wahlgang 30 Prozent der Stimmen erhalten und damit am besten abschneiden. Die drei Kandidat*innen der politischen Rechten vereinen laut Umfragen jedoch etwa 45 Prozent der Stimmen und werden diese voraussichtlich in einer Stichwahl am 14.12. bündeln. Sie sind übrigens alle drei deutschstämmig, wie Rafael Alvear in einem OpenSource-Beitrag bei der Berliner Zeitung berichtete. Es ist gut möglich, dass der extrem rechte José Antonio Kast, Gründer der Republikanischen Partei, zum nächsten Präsidenten Chiles gewählt werden wird.
Kast gehört zu denjenigen Vertretern der Globalen Rechten, die sich seit Jahren regelmäßig bei internationalen Konferenzen von CPAC über PNfV - Political Network for Values (dessen Vorsitzender Kast bis 2024 war) oder bei den von der spanischen VOX organisierten Euro Viva Events treffen. Bei der letzten Wahl 2021 hatte Kast bereits kandidiert - als sein Berater für außenpolitische Fragen galt damals Sven von Storch, Ehemann der AfD-Vize-Bundestagsfraktionsvorsitzende. Der Deutsch-Chilene Sven von Storch betreibt Petitions- und Nachrichtenportale wie "Freie Welt" oder "civil petition", die mit dem rechten Lobbyverein "Zivile Koalition" kooperieren und AfD-nahe Nachrichten und Petitionen lancieren. In dem chilenischen Medium Radio Bío-Bío erklärte er Anfang 2025, er sei seit mehr als sieben Jahren Teil eines Beraterteams von Donald Trump. Dabei habe er zu strategischen Fragen der Beziehungen zwischen USA, Lateinamerika und Europa gearbeitet, die Zukunft Chiles habe dabei immer eine Rolle gespielt.
Entscheidend wird sein, wie die Machtverhältnisse im Kongress nach den Wahlen aussehen. Denn von diesen hängt es ab, ob der oder die zukünftige chilenische Präsident*in Gesetze durchbringen und Politik gestalten kann oder ausgebremst wird. Ausblicke auf die Wahl geben Gitte Cullmann von der Heinrich-Böll-Stiftung und Torge Löding von der Rosa-Luxemburg-Stiftung bei nd.
Redaktion: Ulli Jentsch