Veröffentlichung
9. July 2025
CPAC goes Latino
Verfasst von: Ute Löhning
Bei der Conservative Political Action Conference (CPAC) trafen sich seit 1974 rechte US-Republikaner. Seit 2017 ist die CPAC zum internationalen Treffpunkt der extremen Rechten geworden, mit mehreren Konferenzen pro Jahr in verschiedenen Ländern, auch in Brasilien, Argentinien, Mexiko.
Als „Grundsteinlegung für eine neue Partnerschaft“, als „historische Allianz“ oder auch als „revolutionäre Partnerschaft“ bezeichnet die CPAC ihre neue Allianz mit „Latino Wall Street“, einer Finanzberatungsplattform, die sich an Konservative in der US-Latino Community richtet. „Wir helfen dir, finanziellen Erfolg zu erreichen und die Lebensqualität durch professionelle und strategische Investitionen zu verbessern“, heißt es auf der Website von Latino Wall Street . Die Mission: finanzielle Souveränität, politische Freiheit und Latino Power sollen gestärkt werden durch Unternehmertum, Wohlstand, wertebasierte Führung.
Tony Delgado, der Latino Wallstreet zusammen mit Gabriela Berrospi gegründet hat, bezeichnet die Allianz mit der CPAC als eine Ehre für seine Organisation, es gehe darum, „unsere Community mit den Werkzeugen, dem Kapital und der Überzeugung auszustatten, um wirtschaftlich und politisch führen zu können“. Tony Delgado kommt aus der Startup-Szene, ist Software-Entwickler, Tech-Unternehmer, Finanzberater und Podcast-Host. Das Medium Capitol Hill Times bezeichnete ihn als „Trump’s Secret Weapon to Winning the Latino Vote“ (Trumps Geheimwaffe, um Latino-Stimmen zu gewinnen). Delgado ist Trump tief verbunden. Er ist in New York als Kind puerto-ricanischer Eltern aufgewachsen, sein Vater saß wegen Drogenhandels im Gefängnis, wurde jedoch 2018 unter Trump I über den „First Step Act“ freigelassen. Delgado’s Mission ist es, Latino-Stimmen von den Demokraten zu den Republikanern zu verschieben. „Trumps Sieg war ein Sieg für Latino Werte“, sagte er gegenüber Capitol Hill Times, „es geht nicht nur um Politik, sondern darum, eine bessere Zukunft für unsere Familien aufzubauen“.
Als Auftakt der Kooperation zwischen CPAC und Latino Wallstreet gilt die „CPAC Latino 2025“ Konferenz, die am 28. und 29. Juni 2025 im Seminole Hard Rock Hotel in Hollywood, Florida, stattfand. Mit den Labels „Wo Wohlstand und Freiheit zusammen treffen“ und „Glauben, Familie, Freiheit“ sollen Latinos und Latinas angesprochen werden, die Kapitalinteressen und konservative Politik vertreten. Angekündigt waren auch Panels rund um die Themen wirtschaftliche Freiheit und freien Markt, Kryptowährung und Fin-Tech, konservative Werte und Förderung konservativer Latino-Führungspersonen.
Als Teilnehmende waren angekündigt: Byron Donalds, ein schwarzer republikanischer Kongress-Abgeordneter, der 2026 Governor in Florida werden möchte, Eduardo Bolsonaro, der derzeit in den USA lebende Sohn des brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der extrem rechte mexikanische Schauspieler und Politiker Eduardo Verástegui, die Vorsitzende von Moms for Liberty, Catalina Stubbe, und Richard Grenell, ehemals US-Botschafter in Deutschland, jetzt Sondergesandter des Weißen Hauses.
Eduardo Bolsonaro sprach bei der CPAC Latino. Vor allem – so sagte er gegenüber Newsmax - kritisierte er, dass sein Vater in Brasilien wegen der Erstürmung des Präsidentenpalastes am 8. Januar 2023 und wegen versuchten Staatsstreichs angeklagt ist und bis 2030 kein politisches Amt antreten darf. Bereits bei der CPAC in Argentinien im Dezember 2024 hatte Eduardo Bolsonaro Brasilien in die Nähe einer Diktatur gerückt, vor allem den Generalstaatsanwalt Alexandre de Moraes verantwortlich gemacht und für politisches Asyl der brasilianischen Palaststürmer in Argentinien geworben.
Byron Donalds teilte aus gegen den muslimischen und linken Demokraten Zohran Mamdani, der im November für die Demokraten zur Wahl um das Amt des Bürgermeisters von New York antreten wird. Byron vertrat seine Vision eines Staates, der auf individueller Freiheit, dem freien Markt und wirtschaftlichen Möglichkeiten basiert. Das ist die Klammer, unter der auch Latinos für Kooperationen mit der extremen Rechten geworben werden.
Mike Madrid, Co-Host des „Latino Vote Podcast“, mit dem Latino-Stimmen mehr Gehör verschafft werden soll, besuchte die CPAC Latino 2025 und schrieb auf substack, er sei enttäuscht: „What was once a gathering place for conservative thinkers and policy ideas has devolved into a gaudy spectacle“. Das Event sei weit entfernt gewesen von Veranstaltungen der Handelskammer oder auch von den performativ perfekt durchgestylten CPAC-Konferenzen. Die Veranstaltung mit rund 700 Teilnehmenden, meist Latino Unternehmer:innen, sei in zwei Hälften zerfallen: den Latino dominierten, spanisch-sprachigen Part und den von den CPAC-Gastgebern Matt und Mercedes Schlapp präsentierten, CPAC-üblichen Ablauf. Die Beiträge seien flach gewesen, das Publikum sei im Laufe des Tages verschwunden. Der Arbeitsteilung sei jedenfalls klar: Latino Wallstreet kümmere sich um das Publikum, CPAC um das Programm.
Sein Fazit: nach den Demokraten hätten nun auch die Republikaner gezeigt, dass sie nicht verstehen, was die Latino Community ist und will: „Wir sind nicht diejenigen, die ihr wollt, dass wir sein sollen. Wir sind, wer wir sind. Und es ist Zeit, dass die Parteien zuhören müssen – oder verlieren werden.“
Mehr zur Geschichte und Aktivitäten der CPAC in „CPAC goes global“ von Ute Löhning bei der ila nachzulesen.