CPAC Hungary 2025: Auftritt AfD

Verfasst von: Ulli Jentsch

Alice Weidel at CPAC Hungary 2025

Alice Weidel at CPAC Hungary 2025

Bild von Elekes Andor, wikimedia.org, Lizenz CC BY 4.0

Nachdem im vergangenen Winter die anderen europäischen Rechtsaußen-Parteien ihre großen Konferenzen abgehalten haben (siehe unsere Newsletter #3 und #4), kam Ende Mai in Budapest die internationale extreme Rechte zur Conservative Political Action Conference (CPAC) nach Ungarn, im vierten Jahr in Folge. Die ungarischen Gastgeber vom Center for Fundamental Rights (Alapjogokért Központ, Zentrum für Grundrechte) haben an zwei Tagen fast 100 Redner*innen und mehrere Tausend Teilnehmende versammelt, die „breiteste konservative Allianz der Geschichte“, wie man selbstbewusst verkündete.

Das Schaulaufen der rechten Promis und die schiere Menge der beteiligten Länder war darauf angelegt, zu beeindrucken. In dem inzwischen bei der CPAC üblichen TV-Show-Format – große Bühne mit ausuferndem Bühnenbild, riesigen Bildschirmen und einer durchgehenden Moderation – wurden zwei Tage lang Soloauftritte, Diskussionen und auch Talkformate (Ben Shapiro, Michael Knowles) abgehalten. Der US-amerikanische Influencer und TV-Moderator Jack Posobiec bekannte sich im Gespräch mit dem ungarischen Staatssekretär für internationale Kommunikation, Zoltán Kovács, zu seiner Vision "Jesus Christ is our king, he has to come back". An das Publikum gewandt forderte Posobiec "Wenn Sie in Ihrem Land ein Programm für die Zivilgesellschaft haben, dann müssen Sie das sofort stoppen". Politik wird bei der CPAC als sorgsam gescriptete Propagandashow und Social Media-Event inszeniert, allzu viele Diskussionen oder gar kontroverse Inhalte kann man daher nicht erwarten.

Die weitgehende Isolation der AfD auf internationaler Ebene war im letzten Bundestagswahlkampf durch Elon Musk beendet worden und zu Trumps Amtseinführung im Januar 2025 war die Parteispitze bereits eingeladen worden. Im Februar schon folgte ein erster Empfang der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel in Budapest durch Viktor Orbán.

In seiner Eröffnungsrede auf der CPAC wandte sich Orbán direkt an Alice Weidel, deren Besuch er als „besonders wichtig“ bezeichnete. Man wisse, dass der Hauptgegner in Brüssel ein Deutscher sei: Manfred Weber, der CSU-Vorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion, der „hungarophob, kleinlich und rachsüchtig“ sei. Orbán macht Weber persönlich dafür verantwortlich, dass seine Fidesz 2021 die EVP-Fraktion in Brüssel verlassen musste und dass es so deutliche Gegenwehr auch heute gegen seinen politischen Kurs gibt. Orbán machte sehr deutlich, dass der Fokus der globalen Rechten jetzt die Erringung der Macht ist: "Heute und in den nächsten Jahren wird es in der europäischen Politik darum gehen, welcher Plan sich durchsetzt. Dieser Kampf muss zuerst von allen zu Hause und dann gemeinsam in Brüssel gewonnen werden. (...) Wir müssen zusammenarbeiten – langsam, Schritt für Schritt, sicher. Wenn die entscheidende Schlacht kommt, müssen wir geeint sein. Aber jetzt, liebe Freunde, müssen wir alle zu Hause gewinnen (...). Dann haben wir es geschafft."

AfD - endlich mittendrin

Am folgenden Tag richtete sich Weidel an das CPAC-Auditorium und sie hatte vor allem zwei Nachrichten an die internationale Rechte: die AfD sei die kommende Regierungspartei in Deutschland – „the next ruling party“ – und das Establishment, Merz und der Verfassungsschutz unterdrücke auf autoritäre Weise die legitime Opposition. „Einflussreiche Politiker haben sich entschlossen, die stärkste Oppositionspartei zu verbieten, uns, die AfD, zu verbieten. Sie würden damit die politische Kraft beseitigen, die bald in mehreren ostdeutschen Regionen die Regierung bilden wird“, so die Ko-Vorsitzende in ihrem auf Englisch gehaltenen Vortrag. Weidel bedankte sich emotional bei Gastgeber Orbán, einem „wahren Leuchtfeuer der Freiheit“, und auch bei US-Vizepräsident J.D. Vance, dessen Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz der AfD ebenfalls einen Schub in der internationalen Wahrnehmung gegeben hatte.

Das Publikum in Budapest beantwortete Weidels Rede mit stehenden Ovationen. In Deutschland wurde die Tatsache, auf einer Bühne mit den Rechtsaußen-Prominenten zu stehen, begeistert aufgenommen. „Der AfD gelingt Durchbruch auf europäischer Bühne“ kommentierte die Junge Freiheit, die genauso wie das ‚Medienportal‘ NIUS (Pauline Voss) auf der CPAC anwesend war. Das COMPACT Magazin ließ sich dazu hinreißen, Weidel als Rockstar zu bezeichnen.

Keine große Rolle spielten bei dieser CPAC französische und italienische Gäste. Mit Fabrice Leggeri vom Rassemblement National und Antonio Giordano von den Fratelli d'Italia, der immerhin auch Generalsekretär der Europäischen Konservativen und Reformer im Europa-Parlament ist, waren Vertreter der ausgesprochen AfD-kritischen Parteien Europas zwar anwesend. Eine Rolle hat der Konflikt mit den Deutschen aber offenbar nicht gespielt. Die politischen Differenzen innerhalb der extremen Rechten (Russland-Ukraine-Krieg, Verhältnis zur USA und Russland, Antisemitismus, Geschichtspolitik) dürften durch diesen einen Auftritt nicht kleiner geworden sein: bei der Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Europa-Parlament blieb die AfD-Fraktion am 8. Mai demonstrativ sitzen.

Teilnehmende aus Deutschland waren u.a.: Irmhild Bossdorf, Rene Aust, Petr Bystron, Alexander Jungbluth, Damian Lohr, Rainer Rothfuss, Beatrix von Storch, Jan Nolte, Diana Zimmer, Markus Frohnmaier, Damian Lohr, Carlo Clemens, Sven Tritschler, Dimitri Schulz, Anna Nguyen, Martin Kohler, Jurij Kofner, Hans-Georg Maaßen, Paul Klemm, Fabrice Ambrosini, Sven von Storch.

Weitere Berichte zur CPAC Hungary 2025 beim RedaktionsNetzwerk Deutschland sowie bei Ungarn heute. Reports in English language from VSquare and euobserver


Redaktion: Ulli Jentsch

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