Veröffentlichung
17. June 2026
Auseinandersetzungen um Auslieferung von Galvarino Apablaza nach Chile
Verfasst von: Ute Löhning, Robert Grosse
Ein Thema bei den Gesprächen zwischen den extrem rechten Präsidenten Chiles und Argentiniens, José Antonio Kast und Javier Milei, war immer auch die Strafverfolgung und Auslieferung des in Argentinien lebenden chilenischen Staatsangehörigen Galvarino Apablaza an Chile. Zuerst beim Besuch von Kast in Argentinien im Dezember 2025 und erneut im März 2026 bei seinem Antrittsbesuch in Buenos Aires forderte Kast, Apablaza solle in Argentinien ausfindig gemacht und nach Chile ausgewiesen werden (ReGA berichtete).
Die chilenische Justiz beschuldigt Apablaza, 1991 als Kopf der FPMR-Guerilla der Drahtzieher des Attentats auf Jaime Guzmán gewesen zu sein. Guzmán gilt als entscheidender Intellektueller der Diktatur Pinochets (1973 bis 1990), als maßgeblicher Autor der 1980 verabschiedeten chilenischen Verfassung und ist Gründer der Partei Unión Demócrata Independiente (UDI), die das Erbe der Diktatur nach dem Übergang zur Demokratie 1990 weiterführte. Er ist außerdem politischer Mentor von José Antonio Kast.
2010 hatte Apablaza in Argentinien einen Flüchtlingsstatus erhalten, der seine Auslieferung ausschloss. 2015 wurde ihm dieser Flüchtlingsstatus wieder aberkannt, diese Entscheidung wurde im Februar 2026 von einem Berufungsgericht bestätigt, ist aber noch nicht rechtskräftig. Während Apablaza weiterhin auf die endgültige Entscheidung des Obersten Gerichtshofs über seinen Flüchtlingsstatus wartete, unterzeichnete Milei im März 2026 einen Ausweisungsbescheid. Eine Richterin, die den Fall nur vorübergehend während der Abwesenheit des zuständigen Richters Ariel Lijo vertrat, erließ einen Haftbefehl gegen Apablaza. Lijo, der kurz vor einer Beförderung steht, hat bis heute die Beschwerde der Verteidigung gegen den Haftbefehl nicht abschließend bearbeitet, welche den Prozess der Auslieferung stoppen könnte. Er mahnt jedoch die Regierung, das offene Verfahren bei der weiteren Bearbeitung zu berücksichtigen.
Während Apablaza an seinem Wohnort nicht anzutreffen war und der Haftbefehl gegen ihn nicht vollstreckt werden konnte, beklagen Apablazas Frau und Kinder wiederholte Schikanen seitens der Polizei gegen sie. Apablazas Rechtsanwalt Rodolfo Yanzón ordnet den Fall in „La persecución de los refugiados“ für Tektonicos in einen größeren Rahmen ein und kritisiert die Verfolgung von geflüchteten Gegner*innen der Diktaturen seitens der chilenischen und der argentinischen Justiz als Verstoß gegen die UN Flüchtlingskonvention (auf Spanisch). Eine Übersetzung ins Deutsche findet ihr beim NPLA.