Veröffentlichung
9. September 2026
Lateinamerika: Rechter Wahlkampfstratege Fernando Cerimedo in Bolivien verhaftet
Verfasst von: Ute Löhning
Der argentinische Unternehmer, extrem rechte Wahlkampfmanager und Medienstratege Fernando Cerimedo zieht eine lange Spur durch Lateinamerikas Wahlen der vergangenen Jahre. Nun wurde er in der bolivianischen Stadt Santa Cruz de la Sierra wegen Femizidvorwurfs verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, einen Mord an seiner schwangeren Ex-Partnerin geplant zu haben. Die bolivianische Anwältin und Aktivistin Nadia Beller wurde am 17. August von Gangstern niedergeschossen und überlebte den Anschlag nur knapp, wie La Diaria und NPLA berichten. Beller soll zu viel über Cerimedos Machenschaften gewusst und außerdem geplant haben, einen Korruptionsskandal bei Boliviens staatlichem Energiekonzern YPFB aufzudecken. Während des Attentats auf sie wurde auch ihr Handy gestohlen, auf dem ihr zufolge relevante Informationen zu diesem Fall gespeichert sein sollten.
Cerimedo wurde verhaftet, als er bereits ein Flugzeug nach Buenos Aires besteigen wollte. Zudem eröffnete die bolivianische Justiz ein weiteres Verfahren gegen Cerimedo wegen mutmaßlicher „illegaler Bereicherung“, weil bei Durchsuchungen seiner Besitztümer in Bolivien erhebliche Mengen Bargeld sichergestellt wurden.
Cerimedo war ab 2019 als Polit-Influencer, Botfarm-Stratege und Berater im Wahlkampf vieler späterer extrem rechter Präsidenten beteiligt, wie in Argentinien (Javier Milei), Brasilien (Jaír Bolsonaro), Honduras (Nasry Tito Asfura), Chile (J.A. Kast). Für Milei soll er sogar das Kettensägen-Symbol erfunden haben, Milei selbst gibt zu, dass Cerimedo in der Anfangszeit seiner Legislatur in der Regierung mitgearbeitet hat. In den USA unterstütze er Trumps Wahlkampf bereits 2016 mit der Firma Cambridge Analytica und wurde als „Steve Bannon Lateinamerikas“ bezeichnet.
Nun gestand auch Boliviens Präsident Rodrigo Paz seine Zusammenarbeit mit Cerimedo sowohl im Wahlkampf als auch zu Beginn seiner Regierung ein. In Peru wird gerade eine Verwicklung Cerimedos an der Wahl Keiko Fujimoris untersucht, und ob Cerimedo nur zufällig genau am Tag ihrer Amtseinführung Ende Juli in Lima war, wie Jan Heidtmann für die SZ schreibt.
Gegenüber chilenischen Medien berichtete Beller über Cerimedos Beteiligung am Wahlkampf von José Antonio Kast und auch an der Kampagne gegen eine fortschrittliche Verfassung in Chile 2022. In einem Referendum hatten die Chilen:innen nach einer heftigen Wahlkampagne mit Fakenews und Drohungen die Betätigung des neu ausgearbeiteten Entwurfs abgelehnt, der die Verfassung der Diktatur hätte ablösen sollen.
Cerimedo ist eine Schlüsselfigur der extrem rechten Propagandamaschinerie. Zusammen mit dem Spanier Javier García Negre gründete er das Medienunternehmen La Derecha Diario (LDD). Von Argentinien aus bauten sie mit diesem digitalen Medium in Lateinamerika und darüberhinaus eine kontinuierliche Basis für extrem rechts Kommunikation aus. Inzwischen veröffentlicht La Derecha Diario Regionalausgaben für Argentinien, Uruguay, Ecuador, Mexiko, Israel und die USA. In der Woche vor dem Mordversuch verkaufte Cerimedo allerdings seine Anteile an seinen bisherigen Geschäftspartner, den Spanier Javier Negre, und zog sich damit von La Derecha Diario zurück.