Veröffentlichung
6. October 2026
Weitere Annäherung zwischen FPÖ und Likud
Verfasst von: Lucius Teidelbaum
Sowohl die österreichische Tageszeitung Der Standard als auch die extrem rechte Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) berichteten über eine Veranstaltung der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) in Straßburg (Frankreich) am 16. September 2026 unter dem Titel „Islamismus und Antisemitismus: Bedrohungen für Europas Freiheit“, an der auch Vertreter der extrem rechten Likud-Partei aus Israel teilnahmen. Von Seiten der FPÖ beteiligten sich u.a. der Obmann Herbert Kickl und der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky. Der Likud war mit Ariel Bulshtein, verantwortlich für die internationalen Beziehungen des Likud, und Ariel Kellner, Likud-Abgeordneter, vertreten. Auch Vertreter*innen von Fidesz aus Ungarn und von Vox aus Spanien nahmen laut JF teil.
Im Anschluss bezeichneten die Likud-Vertreter die FPÖ laut JF „öffentlich als Freund Israels und des jüdischen Volkes“ und Kickl versprach Österreich werde ein „treuer und unerschütterlicher Freund Israels“ sein.
Die FPÖ ist im EU-Parlament Mitglied der Fraktion Patriots for Europe (PfE), der seit Februar 2025 auch der Likud als Beobachter angehört.
Trotz dieser Annäherung gab es lange Zeit eine Distanz zwischen großen Teilen der extremen Rechten in Europa und in Israel. Das lag zum einen an dem Antisemitismus, der weiterhin in der extremen Rechten Europas anzutreffen ist. Andererseits wollten sich viele extrem rechte Parteien und Politiker*innen nicht dem Vorwurf der Basis aussetzen unter 'Kontrolle' von Israel zu stehen bzw. Zugeständnisse an einen 'Schuldkult' zu machen.
Tatsächlich führt jede sichtbare Annäherung an die israelische Rechte oder vereinzelte Auftritte für jüdische Organisationen immer auch zu wütenden antisemitischen Vorwürfen aus dem Lager der strikt neonazistischen Kräfte sowie von Teilen der Basis. Dabei mach die sich verstärkende Kooperation mit israelischen Rechten z.B. die FPÖ nicht weniger antisemitisch. Der gemeinsame Autoritarismus, Nationalismus, Rassismus gegen Muslime und Araber*innen überdeckt das lediglich.
In fast allen extrem rechten Parteien sind antisemitische Narrative anzutreffen, die den US-jüdischen Milliardär George Soros als das Stereotyp vom allmächtigen Juden darstellen. In diesen Erzählungen verbinden sich nicht selten Antisemitismus und Rassismus, wenn Soros für Migrationsbewegungen verantwortlich gemacht wird, die angeblich dazu dienen würden Europa zu zerstören.
Redaktion: Ulli Jentsch