White Cross Project: Wenig Aufmerksamkeit, hohe Anschlussfähigkeit

Verfasst von: Daniel Kruse

Am 26. September 2026 wurden 3.000 weiße Kreuze in Washington aufgestellt. Mit der Aktion wollte die südafrikanische Organisation Lex Libertas an die Opfer von Überfällen und Morden auf Farmen in Südafrika erinnern und politischen Druck erzeugen (unser Vorbericht bei ReGA hier). Die mehrere Monate vorbereitete Aktion, Teil einer umfassenderen Kampagne, erreichte jedoch kaum Aufmerksamkeit – weder durch Besucher:innen, wie Videos zeigen, noch durch die Medien. Selbst der rechte Sender Fox News ignorierte das Ereignis. So berichteten lediglich wenige US-amerikanische Medien des rechten Randes über die Aktion, in Europa nur GB News. Der zeitgleich stattfindende UN-Gipfel in New York und die Vorbereitungen der Midterm-Wahlen in den USA verlagerten das Interesse, obwohl Lex Libertas mit ihrem Vorsitzenden Ernst Roets in einem Fenster hoher diplomatischer Spannungen zwischen den USA und Südafrika agieren und Präsident Trump sich immer wieder als Fürsprecher positionierte.

Auf einen Aspekt weist Murmur Intelligence in einem Artikel im südafrikanischen Daily Maverick hin: Gegenüber früheren Diskussionen zum Thema „White Genocide“ handelte es sich um eine überwiegend südafrikanische Debatte mit geringer internationaler Resonanz. Zwei Gründe scheinen dafür vornehmlich verantwortlich zu sein: Zum einen hat sich Elon Musk diesmal – im Gegensatz zu seiner Zeit bei DOGE – nicht mit Tweets beteiligt; zum anderen wurde die Phrase „White Genocide“ überwiegend vermieden und stattdessen von „Verbrechen“ und „Sicherheit“ gesprochen.

Transnationale Vernetzung

Dennoch wäre es falsch, die Aktion als komplett misslungen zu bezeichnen und die internationalen Wirkungen zu negieren. Ein angekündigter Film über die sogenannten „Farmmorde“ wurde vor Mitarbeiter:innen des Weißen Haus gezeigt und es sollen nach Aussagen von Lex Libertas weitere Schritte besprochen worden sein. Wie die aussehen, darüber gibt es keine Informationen. Ferner konnten die transnationalen Beziehungen verstetigt werden. Wie angekündigt sprach der italienische rechte Online-Aktivist Lorenzo Caccialupi, der zunehmend gute Beziehungen zu diversen europäischen Akteur:innen unterhält und sich in der „Remigrations-Szene“ positioniert hat. Teilnehmer war ebenso der langjährige Verbündete Stefano Forte, Präsident des New York Young Republican Club (NYYRC), die auch als offizielle Veranstalter neben Lex Libertas agierten. Interessant ist eine weitere Personalie: Auf der Konferenz am Tag zuvor nahm neben den angekündigten Sprechern (ausschließlich Männer) auch Samuel Samson, Deputy Assistant Secretary of State for the Bureau of Democracy, Human Rights and Labor teil. Laut einem Bericht von ProPublica ist Samson einer der treibenden Kräfte, internationale Fördermittel des US-Außenministeriums an rechte Bewegungen zu vergeben. Noch ist unklar, ob Lex Libertas Gelder erhalten wird.

Laut Informationen wurden die 3.000 Kreuze bereits abgebaut, auf Lastwagen verladen und derzeit für den Transport nach Südafrika vorbereitet. In Südafrika gibt es zunehmend Widersprüche. In seinem wöchentlichen Brief an die Nation sprach sich Ramaphosa gegen diese Kampagne aus. So ließ er verlauten „travelling to foreign capitals to spread the falsehood of a 'white genocide' and discourage investment in one’s own country is neither responsible nor patriotic”. Nicht nur unter Schwarzen Südafrikaner:innen, auch unter der weißen Bevölkerung wird die Aktion kritisch gesehen, wie bei den Afrikaners for South Africa. 


Redaktion: Ulli Jentsch

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