White Cross Project: Aktion und Konferenz der rechten südafrikanischen Organisation Lex Libertas in den USA

Verfasst von: Daniel Kruse

Am 26. September 2026 plant die südafrikanische Organisation Lex Libertas 3.000 weiße Kreuze auf der National Mall in Washington aufzustellen. Die prestigeträchtige Fläche liegt zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial in der US-amerikanischen Hauptstadt.

Angekündigt wurde die Aktion mit dem Namen White Cross Project erstmals im März 2026, in den vergangenen Tagen aber konkretisiert und mit einem spezifischen Datum unterlegt. Ziel ist es nach eigener Aussage „to highlight the realities of violent crime, attacks on farming communities, racial legislation, and institutional decline, which are often misunderstood, ignored or denied in international discourse”. Die Aktion nutzt die präsente Gewalt in Südafrika jedoch nur selektiv, so werden Tötungen gegenüber Schwarzen Farmbesitzern und -arbeiter:innen nicht gezählt, und eine angebliche rassistische Gesetzgebung thematisiert, die das Agieren von „kulturellen Minderheiten“ wie die Afrikaaner:innen einschränken würde.

Treibende Person hinter Lex Libertas ist Ernst Roets, der viele Jahre beim AfriForum, der einflussreichsten Stimme konservativer und rechter Afrikaaner:innen, aktiv war. Später war er beim Solidarity Movement engagiert, einem Netzwerk aus rechten Afrikaaner-Organisationen. 2025 gründete er die Organisation Lex Libertas, die sich einerseits als Thinktank positioniert, anderseits kampagnenorientiert agiert.

Begleitkonferenz mit südafrikanischen, europäischen und US-Rechten

Begleitet werden soll die Aktion von einer am 25. September stattfindenden Konferenz und der Vorführung eines eigens produzierten Films in Washington. Angekündigt sind neben Roets bisher (Stand Anfang September) unter anderen Stefano Forte, David Ansara und jüngst Lorenzo Caccialupi. Forte ist Vorsitzender des New York Young Republican Club (NYYRC), die Mitorganisatoren der Aktion sind und gute Kontakte zur AfD unterhalten. Am 25. Februar 2026 sprach Forte auf der Future of Nations-Konferenz in Südafrika, an der auch Mitglieder des belgischen Vlaams Belang teilnahmen. Er soll laut Ankündigungen über seine eigenen Eindrücke aus der Reise nach Südafrika berichten und erläutern, warum die US-Regierung sich der Sache der Afrikaaner:innen annehmen muss. David Ansara ist Direktor der südafrikanischen Free Market Foundation, die dem ordoliberalen Spektrum zugeordnet werden kann. Der italienische Influencer Caccialupi nahm zuletzt an dem sogenannten Remigrations-Gipfel Ende Mai in Porto teil und ließ verlautbaren, dass ihn eine Reise durch Südafrika geprägt und zur Teilnahme in Washington bewegt hätte.

Ferner ist geplant, eine Petition mit einer angestrebten Zahl von 100.000 Unterzeichnenden zuerst an die US-Administration und später an die südafrikanische Präsidentschaft zu übergeben. Darin wird unter anderem ein US-Sonderbeauftrager (Special Envoy) gefordert, der sich der Angelegenheiten der Afrikaaner-Gemeinschaft annehmen soll.

Verbindungen zwischen rechten US-Kreisen und Afrikaaner:innen

Größerer Hintergrund ist die Sympathie und politische Unterstützung für weiße Südafrikaner:innen durch die Regierung Donald Trumps, die sich bereits während seiner ersten Amtszeit zeigte, aber in der jetzigen deutlich zunahm – auch in Form der Unterstützung von Elon Musk. Trump und die rechten Südafrikaner:innen treffen sich dabei in einer Melange aus Apartheid-Nostalgie, christlichem Nationalismus und historischem Revisionismus. Ausdruck fand diese Rückendeckung nicht nur im despektierlichen Vorführen des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa bei dessen Besuch im Mai 2025, in dessen Kontext erwiesenermaßen mit Falschinformationen gearbeitet wurde.

Auch die Aufnahme von weißen Südafrikaner:innen als „Flüchtlinge“ in den USA macht dies deutlich. Kurze Zeit fand dieser Vorgang Interesse in europäischen Medien, ist jetzt aber in Vergessenheit geraten. Dabei hat ein kürzlicher Artikel in der Daily Maverick nochmals aufgezeigt, wie weiße Südafrikaner:innen als „Flüchtlinge“ gegenüber anderen Nationalitäten bevorzugt wurden. Nach den Ermittlungen der Zeitung wurden in einem Zeitraum von acht Monaten (von etwa November 2025 bis Ende Juni 2026) 7.730 Flüchtlinge in die USA aufgenommen, wobei fast alle, nämlich 7.727, aus Südafrika stammten.

Die White Cross-Kampagne soll nach Aussagen von Lex Libertas in Südafrika und Europa wiederholt werden. Beides erscheint als realistisch. In Südafrika gibt es eine Fläche in der Nähe von Pietermaritzburg, wo Kreuze aufgestellt sind, die unter anderem von Mitgliedern des AfriForum oder der Partei FreedomFront Plus gepflegt werden. Auch zweites ist nicht abwegig: Nicht nur mit US-amerikanischen Organisationen hat Lex Libertas in der jüngeren Zeit ihre internationalen Verbindungen ausgebaut. Auch europäische Akteur:innen der Rechten wurden und werden intensiv kontaktiert und umworben. Und mit der AfD steht auch in Deutschland eine Partei bereit, die die Gewalt in Südafrika seit Jahren instrumentalisiert.


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