Vorbild und Verbündete - Abelardo de la Espriella und die USA

Verfasst von: Susanne Brust

Neben dem verheerenden Erdbeben von Ende August bestimmen aktuell vor allem Sicherheits- und Drogenpolitik den Diskurs in Kolumbien. Der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella, seit einem Monat Präsident des Landes, steht dabei für einen radikalen Kurswechsel hin zu harter Hand statt Dialog.

So startete die Regierung zehn Jahre nach dem Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla bereits in den ersten drei Wochen nach Amtsantritt drei Luftangriffe auf vermeintliche Verstecke der Guerillas. Ähnlich wie Nayib Bukele in El Salvador und Donald Trump in den USA inszenierte sich de la Espriella danach martialisch auf Social Media: Luftbilder der Operationen wurden veröffentlicht, in einem Video läuft der Präsident durch eine Halle, in der die Getöteten in Laken gehüllt liegen, daneben beschlagnahmte Waffen, Drogen und Munition.

Unter den Toten sind neben vereinzelten Guerilla-Führungspersonen auch mindestens vier Minderjährige. Der Thinktank International Crisis Group (ICG) beobachtet, dass immer mehr Kinder für die Guerillas zwangsrekrutiert werden, auch als Bodyguards für Führungspersönlichkeiten – nd berichtet über die Hintergründe.

Statt Verhandlungen mit den Guerillaorganisationen wie sein Vorgänger Gustavo Petro verfolgt de la Espriella eine harte Agenda auf unterschiedlichen Ebenen: Neben Militäroperationen gehören dazu auch das Besprühen von Kokafeldern mit Herbiziden wie Glyphosat und der Bau von Mega-Gefängnissen nach dem Vorbild El Salvadors. Bereits vor Amtsantritt der neuen Regierung äußerten Mitgliedsorganisationen der Deutschen Menschenrechtskoordination Kolumbien sich daher besorgt. Die Bundesregierung solle das kolumbianische Friedensabkommen „weiterhin politisch und finanziell mindestens im bisherigen Umfang unterstütz[en], besonders angesichts der sich verschärfenden menschenrechtlichen, aber auch prekären humanitären Lage in einigen Regionen des Landes“, so Juana Corral von der Organisation kolko - Menschenrechte für Kolumbien.

Trumps Regierung als Vorbild, Partnerin und finanzielle Unterstützerin

Auf Trumps Unterstützung für die mit militärischer Stärke demonstrierte Wiederaufnahme des Kriegs gegen die Drogen kann Abelardo de la Espriella unterdessen zählen. Kolumbien trat kürzlich auch dem Shield of the Americas bei. Schon im Juli hatte de la Espriella angekündigt, der von Trump ins Leben gerufenen Militärkoalition gegen Drogenhandel und illegalisierte Einwanderung ein Büro in Medellín zur Verfügung stellen zu wollen. Kurz nach Amtsantritt des neuen kolumbianischen Präsidenten kündigte das US-Außenministerium dessen Regierung wiederum Hilfen für die Sicherheitspolitik in Höhe einer Milliarde US-Dollar an. Außerdem seien laut dem US-Verteidigungsministerium gemeinsame Militäreinsätze geplant. Im Rahmen einer Südamerikareise mit Stopps in Ecuador, Peru und Kolumbien traf sich US-Außenminister Marco Rubio außerdem am 8. September mit Präsident de la Espriella. Rubio sagte, Donald Trump sei bereit, „alles zu liefern, was möglich ist, um Kolumbien bei der Bewältigung dieser Bedrohung zu helfen“. Beide Politiker unterzeichneten außerdem eine Vereinbarung zu Investitionen in kritische Rohstoffe und einigten sich auf eine Kooperation beim Thema Atomenergie.

Auch in der Migrationspolitik kündigte der kolumbianische Präsident eine harte Hand gegen illegale Einwanderung an und wies die Behörden an, Personen festzunehmen und abzuschieben, die sich illegal im Land aufhalten oder Straftaten begangen haben. Statt „America First“ wie bei seinem Verbündeten Trump heißt es bei ihm: "Primero los colombianos, segundo los colombianos y tercero los colombianos", also „erstens, zweitens und drittens die Kolumbianer“.

Gespräche mit der Heritage Foundation

Für eine weitere Annäherung der kolumbianischen Regierung an Trump und sein MAGA-Lager spricht auch das Treffen des kolumbianischen Vizepräsidenten José Manuel Restrepo mit Kevin Roberts. Der Präsident der Heritage Foundation, einer der Köpfe des Project 2025, tauschte sich am 2. September in Bogotá mit Restrepo über die Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Regierung aus. Als Ergebnis des Gesprächs sind bisher nur informelle Übereinkünfte publik geworden. Es sei gemeinsames Ziel, „einen agileren Staat zu schaffen, der besser auf die Bedürfnisse der Bürger eingehen kann“, so Restrepo auf X. Mit Blick auf das Project 2025 dürfte das insbesondere den Abbau staatlicher Institutionen bedeuten. „Wir glauben, das ist der Beginn eines goldenen Zeitalters für Kolumbien“, äußerte sich Roberts nach dem Treffen.

Bereits vor Amtsantritt der neuen kolumbianischen Regierung, am 16. Juli, hatten Roberts und der neue kolumbianische Außenminister Omar Bula in Washington über eine mögliche Zusammenarbeit Kolumbiens mit der Heritage Foundation gesprochen. Bei dem Treffen ging es einerseits um multilaterale Organisationen wie die UN, in der Bula eine Geschichte als Diplomat hat, heute jedoch als ihr heftiger Kritiker gilt. „Sie haben 20 Jahre für die Vereinten Nationen gearbeitet? Mein Beileid – ich hoffe, Sie haben eine Gefahrenzulage erhalten“, scherzte Roberts. Auch sonst waren sich beide in vielem einig: „Wir haben die Grundwerte der westlichen Zivilisation verloren. In kultureller Hinsicht müssen wir vorbeugend handeln. Wir sind zwar bereits infiziert, aber wir möchten nicht, dass das rot-grüne Lager [die linken Politiker] uns einholt. Deshalb müssen wir Maßnahmen ergreifen, um die Zivilisation zu verteidigen“, erklärte Bula. Beide Treffen mit Roberts zeigen: Die Zusammenarbeit der kolumbianischen Regierung mit dem Trump-Lager beschränkt sich nicht mehr nur auf Kooperationen in Handels- oder Sicherheitsthemen, sondern auch auf gemeinsamen Strategien zum Abbau staatlicher Institutionen und dem Kulturkampf gegen Links.

Im Rahmen seines Bogotá-Besuchs Anfang September traf sich Kevin Roberts außerdem mit einer Vereinigung von Kongressabgeordneten, die sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch aussprechen. Heritage-Chef Roberts ist insbesondere in rechts-klerikalen, katholischen Kreisen in Südamerika und Europa gut vernetzt, so steht er dem Opus Dei nahe und besuchte im März 2026 die Amtseinführung des chilenischen Präsidenten José Antonio Kast, der selbst entschiedener Abtreibungsgegner und Mitglied der katholischen Schönstatt-Bewegung ist.


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