Veröffentlichung
7. July 2026
Wien: Die FPÖ feierte ihren 70. Geburtstag – Alice Weidel grüßt
Verfasst von: Lucius Teidelbaum
Am 27. Juni 2026 beging die extrem rechte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) in Wien ihren 70. Geburtstag. Dass die FPÖ um Jahrzehnte älter ist als die AfD, zeigt, wie verwurzelt und etabliert die extreme Rechte im Nachbarland schon länger ist. Deswegen galt die FPÖ der AfD schon lange als Vorbild.
In Österreich repräsentierte die FPÖ von Anfang an das so genannte Dritte Lager der Freiheitlichen, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem aus Altnazis und Deutschnationalen bestand. Die heutige FPÖ wurde 1956 durch das Zusammengehen des Verbands der Unabhängigen mit der Freiheitlichen Partei gegründet. Der Charakter als Sammelbecken ehemaliger Nazis bildete sich auch in den Biografien der ersten beiden FPÖ-Bundesparteiobmänner ab: Von April 1956 bis März 1958 führte Anton Reinthaller (1895-1958) die Partei. Reinthaller war bereits vor 1938 Mitglied der illegalen NSDAP in Österreich, ab 1940 Bauernführer in „Niederdonau“ (Niederösterreich) und bis 1945 Reichstagsabgeordneter. Wegen seiner Verstrickung im nationalsozialistischen Regime wurde er 1950 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Auf ihn folgte 1958 bis September 1978 Friedrich Peter (1921-2005). Peter trat im November 1938 der NSDAP bei und war im Zweiten Weltkrieg SS-Obersturmführer beim Infanterie-Regiment 10 der 1. SS-Infanteriebrigade. Seine Einheit ermordete in der Ukraine im Sommer 1941 als Teil der Einsatzgruppe C tausende Juden und sowjetische Kriegsgefangene. Er selbst will davon nichts mitbekommen haben, was Historiker bezweifeln.
Bürgerlichkeit statt nazistischer Altlasten
Diese Altlasten spielten allerdings beim 70. Geburtstag keine Rolle. Der Redner Walter Rosenkranz, FPÖ-Nationalrat und Burschenschafter der Libertas Wien, stellte die FPÖ auf der Abend-Veranstaltung in seiner Rede lieber in die Tradition der bürgerlichen 1848er Revolution.
Davor gab es vor dem Stephansdom in Wien für die einfachen Partei-Unterstützer*innen als ersten Teil der Geburtstagsfeierlichkeiten ein „Volksfest“. Neben einer Rede des aktuellen FPÖ-Bundesobmanns Herbert Kickl und Grußworten gab es vor allem Musik. Unter den Musiker*innen war auch der deutsche Volksmusiker Roberto Blanco, der Ehrenmitglied der CSU ist.
Das FPÖ-nahe Online-Portal unzensuriert.at berichtete von „mehr als 10.000“ Besucher*innen. Ein kritischer Beobachter schätzte dagegen auf nur eintausend Personen und sprach von einem Flop. Vor Ort waren für das extrem rechte Compact-Magazin aus Deutschland auch der Reporter Paul Klemm und die minderjährige Schülerin Lea, die unter dem Pseudonym Mädel mit Meinung auftritt.
Festakt in der Wiener Hofburg mit internationalen Gästen
Am Abend wurde dann in der Wiener Hofburg nochmal bei einem Festakt gefeiert. Zu dieser Veranstaltung kamen neben diversen FPÖ-Funktionär*innen auch Vertreter*innen der europäischen extremen Rechten: Der unlängst abgewählte Regierungschef Viktor Orbán (Fidesz) aus Ungarn, Sebastian Münzenmaier, Alice Weidel und Tino Chrupalla (alle AfD) aus Deutschland und Geert Wilders (PVV) aus den Niederlanden.
Der Ministerpräsident Andrej Babiš (ANOS) aus Tschechien schickte nur eine Videobotschaft. Vielleicht spielten nicht nur die angegebenen „terminlichen Gründe“ eine Rolle, die im FPÖ-Blatt Neue Freie Zeit angeführt wurden. Zwischen den deutschnationalen extremen Rechten in Deutschland und Österreich einerseits und der extremen Rechten im Nachbarland Tschechien war es unlängst zu Verstimmungen gekommen, weil es in Tschechien nationalistische Proteste gegen den ersten „Sudetendeutschen Tag“ in Brno gegeben hatte.
In ihrem Grußwort nannte Weidel FPÖ-Chef Herbert Kickl einen „baldige[n] Volkskanzler“ und bekannte: „Im Kreise der FPÖ fühle ich mich Zuhause.“ Ihre Rede beendete sie mit „Lang lebe die Freundschaft zwischen unseren Parteien.“ Neben Weidel sprachen auch Orbán und Wilders kurze Grußworte.
Länger sprach dagegen Kickl. Seine Rede enthielt die üblichen Inhalte. So warnte er vor einer „Völkerwanderung unter dem Mantel Asyl“ und beschwor die Homogenität. Um sich intellektuell aufzuwerten, bezog er sich auf Heidegger und Nietzsche. Außerdem wandte er sich explizit gegen den Begriff der liberalen Demokratie, den er als Kampfbegriff der „Systemparteien“ einordnete und beschwor einen „Systemwechsel“ als „Befreiung von einer verkehrten Welt“.
Redaktion: Ulli Jentsch