Veröffentlichung
15. September 2026
Die CPAC als Hub internationaler Kampagnenpolitik
Verfasst von: Ute Löhning
CPAC-Konferenz in Argentinien
Bild von Ute Löhning, Lizenz private archive, entrusted to ReGA
„Protecting America Now“ lautet der Slogan der „Conservative Political Action Conference“ (CPAC) auf ihrer Website, wo sie sich selbst als „das größte und einflussreichste Treffen von Konservativen in der ganzen Welt“ bezeichnet. Der Internet-Auftritt in rot-weiß-blauem Design, mit Streifen und Sternchen überall, ist eine einzige Anspielung auf die US-Flagge. Bei den Treffen der CPAC ertönt zum Auftakt die Nationalhymne der USA, zusätzlich oft die Hymne des Gastlandes. Die Entstehungsgeschichte und Ausrichtung der CPAC sind US-amerikanisch geprägt. Inzwischen ist die Rechtsaußen-Konferenz jedoch auch zu einem bedeutenden Treffpunkt der internationalen extremen Rechten geworden.
US-Republikanischer Ursprung
Gegründet wurde die CPAC 1973 in den USA von der konservativen Dach- und Lobbyorganisation „American Conservative Union“ (ACU) und von der konservativen Nachwuchsorganisation „Young Americans for Freedom“ (YAF). Die ACU, ihre Stiftung „CPAC Foundation“ und von ihr betriebene Einrichtungen wirken mit Kampagnen und Petitionen gegen progressive Abgeordnete, Organisationen und Unternehmen aktiv auf die Politik in den USA und im US-Kongress ein. Auf ihren Websites finden sich Kampagnen und Petitionen aus den letzten Jahren gegen Politiker*innen der Demokratischen Partei und gegen Unternehmen wegen angeblicher Unterstützung des Rechts auf Abtreibung, wegen waffenkritischer Äußerungen oder wegen angeblicher Spenden für die Black Lives Matter-Bewegung. Die CPAC und ihre Kampagnen tragen maßgeblich dazu bei, die Republikanische Partei insgesamt immer weiter nach rechtsaußen zu verschieben und zu einer bedingungslosen Gefolgschaft von Trump umzubauen. Unter den Sponsoren der CPAC finden sich der Onlineanbieter „Patriot Mobile“, das rechte Medienunternehmen „Right Side Broadcasting Network“ (RSBN) und viele Organisationen, die gegen das Recht auf Abtreibung mobilisieren.
Seit 1974 veranstaltete die CPAC in den USA jedes Jahr eine Konferenz für Konservative aus dem Umfeld der Republikanischen Partei. Zu den Hauptrednern gehörten die US-Präsidenten Ronald Reagan, George W. Bush, Donald Trump und weitere Persönlichkeiten aus der Republikanischen Partei oder deren Umfeld.
Seit 2017 tagt die CPAC auch außerhalb der USA, beispielsweise in Japan, Australien, Südkorea, Ungarn, Israel, Brasilien, Mexiko, Argentinien und 2025 zum ersten Mal auch in Polen. Seit 2022 finden pro Jahr mehr als fünf Konferenzen in verschiedenen Ländern statt, je nach Austragungsort meist mit stärkerer Beteiligung von politischen Akteuren aus der jeweiligen Region. Der CPAC-Präsident Matthew Schlapp und seine Frau, die Politikberaterin der US-Präsidenten George W. Bush und Donald Trump, Mercedes Schlapp, moderieren meistens die Veranstaltungen. Hunderte oder sogar Tausende Besucher*innen kommen zu den öffentlich in Hotels oder großen Hallen stattfindenden Konferenzen und zahlen oft mehr als 100 US-Dollar Eintritt. Premium-Eintrittskarten, die zur Teilnahme an Nebenveranstaltungen - teils auch mit wirtschaftlich relevanten Akteuren - berechtigen, kosten mehrere Tausend Dollar.
Politik trifft auf Wirtschaft und Medien
Bei der CPAC trifft Politik auf Wirtschaft und Medien. Politiker*innen vernetzen sich mit Unternehmer*innen und Lobbyist*innen wie Vertretern der National Rifles Association, mit Influencer*innen wie dem TV-Moderator Jack Posobiec oder dem Blogger Jair Netanjahu und mit Medienbetreibenden, wie dem mexikanischen Medienmogul Salinas Pliego, dem Vorsitzenden des großen Fernsehsenders TV Azteca, der einen strammen Sicherheitsdiskurs fährt und sich als Präsidentschaftskandidat für die nächsten Wahlen vorbereitet.
Als „revolutionäre Partnerschaft“ bezeichnet die CPAC ihre 2024 gebildete Allianz mit „Latino Wall Street“, einer Finanzberatungsplattform, die sich an Konservative in der US-Latino Community richtet, finanziellen Erfolg durch professionelle und strategische Investitionen und durch wertebasierte Führung verspricht.
CPAC-Events werden meist zusammen mit einem (Medien-)Unternehmen vor Ort organisiert. Bei der CPAC im Mai 2025 in Polen war es das rechte, PiS-nahe TV- und Online-Medium Telewizja Republika, das als “neue Propagandaschnittstelle für die nationalistische Rechte” gilt, Sponsor war dort die Kryptowährungsbörse zondacrypto.com. In Ungarn ist das Center for Fundamental Rights seit Jahren Mitorganisator der CPAC Konferenzen. Die CPAC im Dezember 2024 in Argentinien organisierte Tactic, eine Lobbyfirma zu der auch der frühere Geheimdienstmitarbeiter und jetzige Tech-Infrastruktur-Unternehmer Leonardo Scatturice gehört, der Verträge mit dem argentinischen Staat macht.
Internationale Vernetzung
Inzwischen hat die CPAC eine wichtige Funktion für die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung extrem rechter Akteure weltweit und sie greift auch in nationale Auseinandersetzungen außerhalb der USA ein. So stärkte die erste in Mexiko ausgetragene CPAC im November 2022 dem mexikanischen Schauspieler und aufstrebenden Rechtsaußen-Politiker Eduardo Verástegui den Rücken. Für eine Kandidatur als Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen 2024 erhielt Verástegui dennoch nicht genügend Unterschriften. Im Dezember 2024 verschaffte die erstmals in Argentinien stattfindende CPAC dem rechts-libertären argentinischen Präsidenten Javier Milei internationale Unterstützung. Dieser beschwor in seiner Rede bei der Konferenz eine „rechte Internationale“, er sieht die Regierungen von Argentinien und den USA, Italien und Israel, El Salvador und Ungarn als Avantgarde in einem Kulturkampf von rechts. Dieses Narrativ richtet sich immer gegen progressive soziale, ökologische, feministische und menschenrechtsorientierte Politik, die wahlweise als Wokismus, Globalismus, Gender-Ideologie, Sozialismus, Kollektivismus oder kultureller Marxismus gebrandmarkt wird. Bei der CPAC in Polen im Mai 2025 wirkte die damalige US-Heimatschutzministerin Kristi Noem aktiv auf die wenige Tage später stattfindende polnische Präsidentschaftswahl ein, indem sie den rechts-nationalen Kandidaten Karol Nawrocki unterstützte.
In ihrer politischen Ausrichtung ist die CPAC noch weiter als zuvor nach Rechtsaußen gerückt. Eine Abgrenzung von offen demokratie-feindlichen Positionen findet nicht mehr statt. Eduardo Bolsonaro, der Sohn des brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, wartete bei der CPAC 2024 in Buenos Aires mit einer Kampagne auf: Er forderte die argentinische Regierung auf, den Personen Asyl zu gewähren, gegen die in Brasilien wegen der Erstürmung des Regierungspalastes im Januar 2023 – also wegen des Putschversuchs gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Lula da Silva - strafrechtlich ermittelt wird. Besonders bekannt wurde der gemeinsame Auftritt von Javier Milei und dem damaligen Leiter der US-Deregulierungsbehörde (DOGE), Elon Musk, bei der CPAC im Februar 2025 in Washington DC. Mit einer Kettensäge und röhrendem Sound feierten sie sich und ihre Erfolge im Sinne einer rechts-libertären Ideologie, deren Ziel sozialer Kahlschlag, die Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben und der weitgehende Abbau des Staates sind. Außerdem zeigte der Trump-Vertraute Steve Bannon am Ende seiner Rede in Washington DC den Hitlergruß. Die CPAC steht heute für Turbokapitalismus gepaart mit Kulturkampf von rechts und die Unterstützung Donald Trumps.
Christlicher Nationalismus und Israel
Ganz auf dessen MAGA-Linie, vertritt die CPAC einen Christlichen Nationalismus. Sie fordert zu Gebeten für den erschossenen MAGA Influencer Charlie Kirk auf und organisierte Veranstaltungen und im Oktober 2025 auch eine große Konferenz unter dem Themenschwerpunkt „Christian Persecution“ mit prominenten Gefolgsleuten wie Jack Posobiec und Ben Schapiro. Die CPAC ist eng verbunden mit der aktuellen israelischen Regierung. In einer Rubrik „CPAC Stands with Israel“ versammelt sie auf ihrer Website unter anderem solche Beiträge, in denen die in Israel selbst stark kritisierte, autoritäre Justizreform gelobt wird. Die CPAC führt eine „Konferenz gegen Antisemitismus“, zu der die israelische Regierung im März 2025 Rechtsaußenpolitiker aus aller Welt wie Jordan Bardella vom französischen Rassemblement National eingeladen hatte, auf ihrer Website als eine CPAC Konferenz. Unter dem Schlagwort „Combating Antisemitism“ führt die CPAC auch Veranstaltungen, die sie zusammen mit dem White House Faith Office und dessen intellektuellem Kopf, der Strategin des Christlichen Nationalismus, Paula White, abhält.
Seit langem umwirbt die CPAC konservative Exil-Iraner*innen. Zusammen mit der Organisation United Against Nuclear Iran (UANI) schafft sie spezifische Organisierungsangebote für Exil-Iraner*innen, angeblich um das – zweifellos menschenverachtende - Ayatollah Regime zu schwächen. Bei der CPAC im März 2026 in den USA trat Reza Pahlavi, der Sohn des letzten persischen Schahs, auf die Bühne und erklärte, er, Pahlavi, sei von der iranischen Bevölkerung gerufen worden, um das Land unter seiner Führerschaft zu befreien und das Land anschließend mithilfe der Roadmap Iran Prosperity Project (IPP) wiederaufzubauen. Trump und die USA forderte er auf, bei seinem Kurs zu bleiben, dem taumelnden [Mullah-] Regime keinen Rettungsring zuzuwerfen, sondern der iranischen Bevölkerung den Weg freizumachen, damit sie den Job zu Ende bringen könne. Doch jenseits von Fragen des Völkerrechts bringt die kriegerische Eskalation der USA und Israels gegen Iran und den Libanon enorme wirtschafts- und friedenspolitische Probleme und Gefahren, die selbst Trump in Bedrängnis bringt.
Internationale Normalisierung der AfD
Seit 2025 ist die AfD erstmals auf der internationalen Bühne der extrem rechten Vernetzung angekommen. Bei der CPAC im Mai 2025 in Polen sprach der AfD-Politiker und Europa Parlamentarier Tomasz Froelich in einer Podiumsdiskussion in fließendem Polnisch zusammen mit Hans-Georg Maaßen (Werteunion) und George Weinberg (Republicans Overseas Germany), der im März 2026 als Vertreter einer „CPAC Germany“ vorgestellt wurde. Dabei bezeichnete Froelich Trump als eine „sehr wichtige Figur“, weil er so wie die ganze neue US-Administration „unsere Bewegungen unterstützt“, so Froelich. Maaßen beklagte auf demselben Podium, in Deutschland werde die AfD ebenso wie einfache Leute verfolgt, wenn sie Deutschland kritisierten. Man sei auf Unterstützung durch den „amerikanischen Freund“ angewiesen. „Trump ist meine Hoffnung, nur er kann Europa retten. Wir brauchen eine sehr enge Kooperation zwischen Europa und den USA“, so der Ex-Verfassungsschutz-Chef.
Wenige Tage später, ebenfalls im Mai 2025 hielt die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel bei der CPAC in Budapest eine Rede, in der sie vor allem Anti-Migrations-Positionen vertrat und die in Deutschland angeblich auf autoritäre Weise unterdrückte AfD als zukünftige Regierungspartei bezeichnete. Sie erhielt standing ovations. Ein Jahr später, bei der CPAC Hungary 2026 begrüßte sie nach den Viktor Orbán sogar ihre Ehefrau Sarah, die sie zusammen mit ihren gemeinsamen Kindern nach Budapest begleitete. Selbst eingeschworene Gegner:innen von LGBTIQ-Rechten wie die ungarische Abgeordnete im EU-Parlament und Orbán-Vertraute Kinga Gál und andere im Publikum applaudierten und lächelten zum paradoxen Spiel der AfD-Spitzenpolitikerin Weidel, die ihre private Lebensrealität, die Ehe mit einer Frau mit Migrationsgeschichte, von ihrer politischen Positionierung gegen Rechte für queere und migrantische Personen abspaltet.
(Teile des Artikels wurden zuvor bereits an anderer Stelle veröffentlicht, so bei ila, interferencia und AIB.)
Redaktion: Ulli Jentsch