Veröffentlichung
8. April 2026
Kommt jetzt die CPAC Germany?
Verfasst von: Ulli Jentsch
Representatives of the Sovereignty Foundation during a Committee on Constitutional Affairs Ordinary meeting.
Bild von Screenshot from 20260318-0900-COMMITTEE-AFCO, https://multimedia.europarl.europa.eu/, Lizenz Rega
Während sich die Bundesführung der AfD und der Arbeitskreis Außenpolitik der AfD-Bundestagsfraktion in Berlin über den richtigen außenpolitischen Kurs stritten, fanden im März gleich zwei Treffen der US-dominierten Conservative Political Action Conference (CPAC) statt: in Ungarn und in den USA selber.
Die Veranstaltung in Budapest am 21. März kann getrost als internationale Wahlkampfhilfe für den in Bedrängnis geratenen Viktor Orbán abgehakt werden. Schon in der darauf folgenden Woche fand die CPAC in Dallas (Texas) statt. Das jährliche Schaulaufen der MAGA-Bewegung für ihren ‚King‘ Donald Trump fiel diesmal angesichts der innen- und außenpolitischen Situation deutlich kleiner und weniger prominent aus als in den vorherigen Jahren, wie auch Korrespondent*innen von vor Ort berichteten (so zum Beispiel Die Zeit).
Unbeachtet blieb die Tatsache, dass in Dallas erstmals zwei Teilnehmer offiziell als ‚CPAC Germany‘ vorgestellt wurden: Arian Aghashahi und George Weinberg. Wir hatten schon im Januar spekuliert, ob man noch in diesem oder erst im nächsten Jahr mit einer Konferenz der MAGA-Bewegung in Berlin rechnen muss. Ein Blick auf die beiden Personen, die in Deutschland nahezu unbekannt sind, könnte bei der Auflösung dieser Spekulation weiterhelfen. Daher folgend ein paar Hintergründe.
Wer ist Arian Aghashahi?
Der junge, 28-jährige Arian Aghashahi ist bereits mehrfach bei internationalen Veranstaltungen aufgetreten, zuletzt als Mit-Organisator der Berlin Campaign Conference 2025. Aghashahi war insgesamt drei Jahre lang bei der Kampagnenfirma The Republic von Armin Petschner-Multari (CSU) tätig. Dort stieg er Anfang 2023 nach eigenen Angaben zunächst als ‚Strategy Consultant‘ ein, die vergangenen zwei Jahre bis Ende Januar 2026 diente er als Head of Strategy. In dieser Eigenschaft nahm Aghashahi zum Beispiel im Januar 2025 an einem Treffen mit der Heritage Foundation im Deutschen Bundestag teil.
Musterkarriere im christdemokratischen Milieu
Eigentlich liest sich alles in Aghashahis Lebenslauf wie eine Musterkarriere im christdemokratischen Milieu: Studium der Rechtswissenschaften unter anderem an der FU Berlin, diverse, auch kurzzeitige Anstellungen in diesem Bereich. Dann eine mehr als drei Jahre dauernde Tätigkeit bei einem Abgeordneten der CDU/CSU im Deutschen Bundestag. Dazu gehörte auch eine zweijährige Mentorenschaft durch Jens Spahn, dem jetzigen Fraktionsvorsitzenden der Union, vermittelt durch das Stipendienprogramm ‚Geh deinen Weg‘ der Deutschlandstiftung Integration, das sich an „junge Menschen mit Migrationsbiografie auf ihrem Karriereweg“ richtet.
Dass Spahn den jungen Nachwuchspolitiker betreut, passt ins Bild des prominenten CDU-Rechtsaußen, der immer wieder mit besten Kontakten zu den US-Republikanern und Sympathien für Trump aufgefallen war. Der Stipendiat selber „schämt sich“ inzwischen dafür, Teil des Integrationsprogramms gewesen zu sein, wie er in einem Gastbeitrag in der Jungen Freiheit bekannte. Aghashahi wurde bis zuletzt online als Mitglied der CDU Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) und Leiter des Arbeitskreises Integration der Jungen Union in Hamm (Nordrhein-Westfalen) präsentiert, Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, Mitglied der Katholischen Deutschen Studentenverbindung (KDStV) Bavaria Berlin usw.
Aghashahi: Von der Union ins AfD-Lager
Doch nun hat Aghashahi zum Februar 2026 das Parteilager gewechselt, zumindest beruflich. Seitdem fungiert er als ‚Managing Director‘ der Sovereignty Foundation. Das ist die Europäische Stiftung der Fraktion Europe of Sovereign Nations (ESN) im Europa-Parlament, der Fraktion unter der Führung der AfD. Die eigene Stiftung hatte die ESN erst zum September 2025 ins Leben gerufen. Aghashahi vertrat die Stiftung auch bereits Mitte März vor dem EU-Committee on Constitutional Affairs.
Zum jetzigen Zeitpunkt in Dallas als CPAC Germany aufzutreten, dürfte kein Zufall sein. Aghashahi repräsentiert als ESN-Vertreter jene MAGA-nahen Parteien, die von Trump und seiner Regierung offen unterstützt werden. Es ist denkbar, dass die MAGA-Bewegung und CPAC über enger werdende Netzwerke zukünftig die AfD strukturell und finanziell unterstützen könnte. Falls die ESN-Stiftung in Brüssel ein offizieller Partner der US-Bewegung wird, könnten Konferenzen der nächste mögliche Schritt sein.
Wechsel in das Lager der ESN
Mit Aghashahi hat die ESN einen Mitarbeiter gewonnen, der trotz seines Alters über mehr Erfahrungen in Netzwerk-Arbeit und Veranstaltungsorganisation auf dem internationalen Parkett verfügen dürfte als der durchschnittliche AfD-Abgeordnete im Europa-Parlament. Aghashahi ist derzeit auch Fellow beim Orbán-nahen Danube Institut in Budapest und Autor beim Onlinemedium Hungarian Conservative, besitzt also auch eine Anbindung nach Ungarn. Und er ist ebenfalls 'Senior Advisor' bei der TRENDS Research and Advisory Group, einem regierungsnahen Netzwerk für internationale Politik aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das nicht besonders auffällige deutsche Büro in Berlin wird von Mohammed Abu Ghazleh geführt, weiterer Mitarbeiter ist Urs Unkauf. Politikberater und ‚Russland-Experte‘ Unkauf war in der Vergangenheit immer wieder im Kontext von russlandfreundlichen Aktivitäten aufgefallen. Hinzu kommen Engagements Aghashahis bei der Hayek-Gesellschaft, bei der er im Mai als Vertreter der ESN-Stiftung auftreten wird, Trainings beim Leadership Institute, bei der Tholos Foundation und so weiter.
Wer ist George Weinberg?
Auch der zweite Exponent für CPAC Germany ist kein Unbekannter, wenn auch nicht unbedingt aus der ersten Reihe. Der 1948 geborene George Weinberg hat eine Karriere als Unternehmer hinter sich, die ihn aus den USA auch nach Deutschland führte. Weinberg war 2025 Gast auf der CPAC in Polen und bestritt dort ein Panel unter anderem mit Tomasz Froelich von der AfD und Hans-Georg Maaßen. In Deutschland ist Weinberg in den vergangenen Jahren bekannt geworden wegen seiner Tätigkeit für die Republicans Overseas Germany, wo er den Vorsitz hat. Die Organisation verbindet Mitglieder und Unterstützer der Republikanischen Partei außerhalb der USA.
Zu Weinbergs Mitarbeitern zählt, was für eine Überraschung, wiederum Aghashahi, der dort Senior Advisor ist und praktischerweise Weinberg mit einem Interview im Hungarian Conservative profilieren kann. Weinberg versucht in Presse und Fernsehen mit mehr oder weniger Erfolg der deutschen Öffentlichkeit die Arbeitsweise der Trump-Administration nahe zu bringen. Zum Angriff auf den Iran sei Trump gezwungen gewesen, so Weinberg im März in der katholisch-fundamentalistischen Die Tagespost. Nach dem Wahlsieg Zohran Mamdanis in New York warnt er bei Welt TV vor Zuständen wie in der ehemaligen DDR.
Weinberg und Aghashahi könnten für CPAC wichtige Rollen beim Aufbau von Strukturen in Deutschland zur Unterstützung der AfD oder ihr naher stehender Kreise spielen. Die CPAC-Konferenzen, und vor allem ihre regionalen Ableger, sind seit dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit direkte und wenig verschleierte Kampagnentreffen für die Anhänger der MAGA-Politik weltweit. Sie sind verbunden mit offenen Interventionen in laufende Wahlkämpfe, dem Aufbau von Netzwerken, die auf die US-amerikanischen Republikaner, deren Thinktanks und deren Interessen ausgerichtet sind. Die nächste CPAC ist für den Juli in Großbritannien angekündigt, kurz vor den kommenden Wahlen zum Britischen Unterhaus. Solch ein Szenario könnte auch in Deutschland bald Realität werden.
Redaktion: Ulli Jentsch