Verteidigung: Oberst Lucassen (AfD) vorzeitig im Ruhestand

Verfasst von: Ulli Jentsch

Die Auseinandersetzungen um den richtigen außenpolitischen Kurs der AfD, die sich zuletzt auch nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran gezeigt hatten, haben ein prominentes Opfer in der Bundestagsfraktion gefunden: der langjährige verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen trat Mitte April zurück. Der frühere Bundeswehr-Oberst und profilierteste Verteidigungspolitiker der AfD kam damit einem Abwahlbegehren aus den eigenen Reihen zuvor. Ihm wurden von anderen Mitgliedern des Arbeitskreises Verteidigung Führungsdefizite vorgeworfen. 

Lucassen hatte in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht, dass er eine West- und NATO-Einbindung Deutschlands befürwortet. Er kritisierte die Russlandorientierung vieler seiner AfD-Kolleg*innen ebenso wie die verbreitete Ablehnung der Wehrpflicht in den Ostverbänden der Partei. Damit hatte er sich zuletzt sowohl bei Ko-Chef Tino Chrupalla als auch beim Höcke-Flügel unbeliebt gemacht. Sein Nachfolger ist der ebenfalls ehemalige Bundeswehr-Soldat Jan Nolte. 

'Mobbing Squads' auf Staatskosten?

Im Zuge der öffentlichen Schmutzwäsche unter den AfD-Parteifreunden hatte Lucassen in einem Tweet an seinen Kritiker Torben Braga, einem der engsten Höcke-Freunde in der Bundestagsfraktion, darauf hingewiesen, dass gegen ihn auch durch anonyme Accounts „zu Felde“ gezogen wurde, „von denen wir aber beide (teils sehr genau) wissen, bei wem sie auf der Partei-Payroll stehen.“ Das nahm Justus Bender (FAZ) zum Anlass, in der Fraktion nachzuhören, ob es solche gezielten Diffamierungen, quasi „Mobbing auf Staatskosten“ gebe. Fazit: es scheint zu stimmen, was Lucassen sagt. „In der AfD-Bundestagsfraktion kursiert eine Liste von anonymen Accounts, die den Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen besonders stark angegriffen haben“, so Bender in seinem Artikel.

Bender zitiert unter anderem den ehemaligen AfD-Influencer Erik Ahrens mit dem Hinweis auf eine sogenannte Mobbing Squad. „Die mobben AfD'ler, die sie für nicht radikal genug halten“, es seien oftmals junge Nachwuchspolitiker, teilweise Mitarbeiter von Abgeordneten, bei denen das Trollgebaren und der Angriff auf die älteren Funktionäre auch eine Karrierestrategie darstelle. „Kommen die Nachwuchspolitiker dann selbst in Machtpositionen, können sie unter ihrem Klarnamen neue, unbelastete Profile anlegen.“ Ein anonymer Europaabgeordneter: „Das sind totale Desperados. Die haben nichts zu verlieren. Die machen für eine Handvoll Dollar jede Drecksarbeit“.


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